Geschichtsbrocken

Weltgeschichte - europäische Geschichte & Philosophie. Wie sich Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, Philosophie, Kunst und Medien im Kontext der Welthistorie, europäischer Geschichte und Sozialpsychologie entwickelt haben. Historische Persönlichkeiten; und wie ihr Wirken unseren heutigen Alltag prägt. Aberglauben, Religion und Mystik im Wandel der Zeit. Zeitgeist, Spiritualität und Ideologie. Das Forum, für die Frage nach dem Warum: Wir heute sind, was und wie wir sind?

Anders_son
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Re: Geschichtsbrocken

Ungelesener Beitrag von Anders_son »

Wissenschaft ist eben nicht in Stein gemeißelte Wahrheit. Wie etwa bei der Religion.
Und so ist da jetzt mehr so eine Richtigstellung in Bezug auf den Neandertaler
erfolgt.

Der Neandertaler war wie der homo Sapiens ein Allesfresser und hat sich auch
von Pflanzen ernährt. Das konnte man u.a. an gefundenen Beißerchen (Zähne) fest-
stellen.

Anscheinend gab es sogar schon so etwas wie Arbeitsteilung,
Der Artikel im Spektrum hat das wunderschön erklärt.
Hätte sich der Neandertaler auch nur von Fleisch ernährt, wäre es angeblich so auch zu
Vergiftungserscheinungen gekommen.

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Dass der Anteil vegetarischer Nahrung tatsächlich bedeutsam gewesen sein muss, hat 2021 eine international besetzte Arbeitsgruppe um James Fellows Yates vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena nachgewiesen. Amanda Henry war Teil des Teams. Die Gruppe untersuchte bis zu 100 000 Jahre alte Zähne von modernen und frühen Angehörigen der Gattung Homo sowie von mehreren Affenarten. In der Fachzeitschrift »PNAS« stellten die Forscher fest:
Das zeigt: Nicht nur anatomisch moderne Menschen, sondern bereits Neandertaler und vermutlich schon deren Vorläufer haben offensichtlich viel pflanzliche Stärke zu sich genommen. So viel, dass in ihren Mundhöhlen seit mehr als 100 000 Jahren eine an stärkehaltige Nahrung angepasste Mundflora entstand.
Warum überhaupt haben die Frühmenschen neben Fleisch auch pflanzliche Nahrung zu sich genommen? Die Antwort liegt höchstwahrscheinlich in der Physiologie der Gattung Homo. Stichwort: Proteinvergiftung. Den Effekt nennen Physiologen und Ernährungswissenschaftler auch Kaninchenhunger. Vor allem Forschungsreisende und Soldaten auf langen Feldzügen haben die Folgen dieser Mangelernährung erlebt. Wenn es wochenlang nichts anderes zu essen gibt als die stets und überall verfügbaren Kaninchen, bleibt man trotz gefülltem Magen ständig hungrig. Es stellen sich Übelkeit und Erschöpfung ein, gefolgt von Durchfällen – und mancher stirbt daran.
Aminosäuren, die Bausteine von Eiweiß, enthalten Stickstoff, den der menschliche Körper nicht in größeren Mengen verwerten kann. Nur bis zu 20 Prozent der Nahrungskalorien sollten aus Proteinen stammen. Exzessiver Fleischkonsum – ab etwa 35 Prozent Proteinzufuhr – führt dazu, dass sich gefährlich hohe Konzentrationen an Ammoniak und anderen toxischen stickstoffhaltigen Substanzen im Organismus ansammeln.
Der menschliche Körper hat zwei biochemische Wege, um ein Zuviel an Stickstoff loszuwerden. Einer ist die Zufuhr von Kohlenhydraten wie typischerweise Stärke; das hilft, den Stickstoff auszuscheiden. Ein zweiter Entgiftungsweg ist die Aufnahme großer Mengen von Fett. Ihn beschreiten die Inuit in der Arktis, wo so gut wie keine stärkehaltigen Pflanzen verfügbar sind, aber Robben und Wale große Mengen Fett liefern.
„Um Böses zu tun, muss ein Mensch zuallererst glauben, dass das, was er tut, gut ist.“
Alexander Solschenizyn

zitiert von Anders_son (ehemals Oxymon)
Anders_son
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Re: Geschichtsbrocken

Ungelesener Beitrag von Anders_son »

Zur Geschichte der Angst in der Psychologie:

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Es ist eine kleine Revolution, die sich in dem Fach binnen zwei Jahrzehnten vollzogen hat. Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts war die Psychologie dominiert vom Behaviorismus, jener Lehre, die alle Tiere, egal ob Ratte, Taube oder Mensch, als Reiz-Reaktions-Maschine betrachtete, die sich beliebig programmieren lässt wie ein Pawlow’scher Hund.

Da es noch keine Hirnscanner gab, tat man einfach so, als gäbe es auch kein Gehirn: Unser Oberstübchen galt den Behavioristen als Blackbox. Nur das beobachtbare Verhalten („behavior“) war erforschbar. Nur damit also hatte sich die Psychologie zu beschäftigen. Unser Ich mit seinen Gedanken und Gefühlen galt als No-Go-Area. All das, was den Laien zu Recht am meisten interessiert – Glück, Liebe, Erinnerungen, Bewusstsein, Identität und so weiter – wurde ausgeklammert. Ironischerweise war die Psyche Jahrzehntelang nicht Gegenstand der akademischen Psychologie.
:grin: Ich muss sehr darauf achten dazu nicht etwas Bösees zu schreiben.
Erst in den neunziger Jahren wurde die kognitive Wende von der emotionalen abgelöst, die wohl noch eine Weile anhalten wird. „Wir befinden uns definitiv in einem Zeitalter der Emotion“, sagte Klaus Scherer, Emotionspsychologe an der Universität Genf, zum Auftakt des Kongresses am Montag.

Die bislang mit Abstand am genauesten untersuchte Emotion ist die Angst. Zum einen hat das medizinische Gründe: Angststörungen gehören mit Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Zum anderen lässt sich die Angst, im Gegensatz zu Gefühlen wie etwa Stolz oder Scham, relativ einfach experimentell studieren: Zumindest gewisse Formen der Angst kann man schon mit einfachsten Mitteln auch im Labor auslösen und testen – man braucht nur das Bild einer Schlange. Auch zahlreiche Tiere lassen sich leicht in Angst versetzen, während es eine Herausforderung sein dürfte, in einer Ratte Gefühle wie Stolz oder Scham auszulösen.
Erinnert mich etwas vom Übergang des Fische-Zeitalters zum Wassermann-Zeitalter.
Dann auch noch diese Vorurteile gegenüber Ratten. Das Beziehungsgeflecht - da Ratte negativ belegt ist - kommt mir
doch etwas merkwürdig vor. Keine Differenzierung, Tiere sind nicht gleich Tiere. Nerv.
Zieht dagegen das Beutetier gegen den Jäger den Kürzeren, verliert es sein Leben. „Deshalb war der Druck auf die Beute, wachsam zu sein, so hoch“, sagte Öhman. „Damit haben wir eine Prädisposition für Angststörungen.“
Wer konnte auch schon ahnen, dass Menschen füreinander selber zu Beutetiere werden. Nicht ernährungstechnisch,
was es wohl auch gab, aber in einer übervorteilenden Art und Weise. Raubtierkapitalismus. Gibt es im Sozialismus
auch, nur wird es dort abgestritten. :D
Der Mandelkern ist eine kleine Hirnstruktur tief im Innern des Gehirns, die als eine Art neuronale Angstzentrale fungiert. Da diese Angstzentrale im Kopf der „Frau Furchtlos“ chronisch außer Betrieb ist, ist sie immer fröhlich und entgegenkommend. Auch von Fremden lässt sie sich umarmen und brennt förmlich darauf, mit jedem zu plaudern. Diese Offenheit ist nicht immer von Vorteil – so wird sie auch häufig ausgenutzt. Angst warnt, Angst macht wachsam.
Deshalb glaube ich auch, dass man beim Thema Angst oft aneinander vorbei redet. Aber da habe ich schon so
viele sinnlose Diskussionen drüber geführt. Angst ist eben Angst. :D Das mit dem Mandelkern ist allerdings schon
interessant.
„Das unterscheidet ein Gefühl von einem Reflex“, sagte Frijda. „Reflexe sind starre Reiz-Reaktions-Abläufe, Gefühle geben uns Flexibilität, sie geben uns die Möglichkeit, unser Verhalten auf die konkrete Situation abzustimmen.“ Das heißt aber nicht, dass die Gefühle – und damit ihre Ziele – selbst flexibel sind. Gefühle lassen, wie jeder weiß, oft nicht mit sich reden. Sie hören nicht auf den Verstand. Frijda sah das noch radikaler: „Sogar ein reines Verstandesurteil basiert letztlich auf emotionalen Präferenzen“, sagte er. „Der Verstand ist verzögerte Emotion.“
Volle Zustimmung, deshalb gibt es auch eine "gefühlte Wahrheit". Muss man natürlich wissen. :D
Ist ja nicht so, dass Verstand und Emotion voneinander unabhängig sind. In der Emotion "kann" ja vieles aus dem
rational abgeleiteten enthalten sein.....wenn man dies in sich aufgenommen hat.
Rede mich mal wieder um Kopf und Kragen, da dass ja auch nur wieder eine "Wahrheit" ist.
Also könnte ich natürlich auch das Gegenteil behaupten. Vielleicht so, je besser Verstand und Emotion abgestimmt
sind, so glaubwürdiger wird das ganze System. Man müsste also beiden vertrauen.
Da wird es dann schwierig. Besonders in unserer moderen so wiederspruchslosen Zeit. :grin: Ironie off.

Das wäre dann auch ein Artikel für die Werbefritzen oder sonsten Framingspezialisten. Ich möchte
gar nicht wissen, in wievielen Filmen, die ich konsumiert habe, irgendwelche Bildchen versteckt waren,
die dann meinen Mandelkernz aktiviert haben. Fällt mir eine uralte Columbofolge ein, wo so ein verstecktes
Bild das Bedürfnis nach Wasser auslösen sollte. Im Film hat es funktioniert. Okay, ansonsten hätte
Columbo den Fall auch nicht lösen können. Mord durch des Mandelkerns Durst. Sorry für die Plattheit.

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In vielen Lehrbüchern heißt sie einfach Amygdala – zu Deutsch Mandelkern. Die Bezeichnung Mandelkernkomplex ist jedoch treffender, denn die Amygdala setzt sich aus mehreren Unterkernen zusammen. Im Register vieler Bücher ist die Amygdala nur unter ihrem vollständigen Namen, Corpus amygdaloideum, zu finden. Doch unter welchem Namen auch immer, als Teil des limbischen Systems beeinflusst sie Emotion und Erinnerung in vielfältiger Weise — vor allem, wenn Angst und Wut auftreten, ist sie im Spiel.
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Die Stressmeldungen vom Mandelkern zum Gehirn gleichen einer 6-spurigen Autobahn, der Weg vom rationellem denken zurück ist gerade mit einem Feldweg vergleichbar.
Erst wenn es dem rationalem denken gelingt, die Situation auch gedanklich zu "entschärfen", erreicht dieses auch wiederum die Amygdala, die mit der Beendigung der Hormonausschüttung reagiert. Die Folge ist die Abnahme der emotionalen und körperlichen Reaktionen.
Der Mandelkern lernt immer und laufend hinzu. Dieses ist im Grunde auch der Ansatzpunkt einer Psychotherapie. So lernt sie nicht nur auf Stressereignisse zu reagieren, sondern auch auf Situationen, die wir entspannt erleben.
Wenn wir an einem bestimmten Ort eine schöne, entspannte Zeit erlebt haben so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir beim nächsten Besuch dieses Ortes eine gleiche oder ähnliche Entspannung erleben. Die Amygdala hat das empfinden sozusagen abgespeichert. So reicht auch oftmals nur der Gedanke an den Ort, um den emotionalen Zustand wieder zu erreichen.
So werden im Laufe einer Angst,- und Paniktherapie auch systematisch "furchteinflößende Situationen" neu aufgegriffen und mit Hilfe von verschiedenen Techniken, neu positiv belegt. Sei es durch Konfrontation und/oder reaktivierung des rationellen denkens in den jeweiligen Situationen.
So werden Angstsituationen mit positiven Erlebnissen neu belegt, sodass diese ihre Furcht verlieren (Angst vor der Angst).
Hmh, wenn das alle so einfach wäre. Aber so von der Theorie her.....



Ach ich mag ihn. :D Trotzdem drifte ich wohl hier in eine Theamverfehlung ab.



„Um Böses zu tun, muss ein Mensch zuallererst glauben, dass das, was er tut, gut ist.“
Alexander Solschenizyn

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Anders_son
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Re: Geschichtsbrocken

Ungelesener Beitrag von Anders_son »

ALBRECHT DÜRER / Das 15te Jahrunhdert

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So die Doku zu Dürer habe ich fast fertig geschaut. Hat Kunst was mit Geschichte zu tun?
Aber klar. Besonders in dem Fall.

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Albrecht Dürer der Jüngere (auch Duerer; * 21. Mai 1471 in Nürnberg; † 6. April 1528 ebenda) war ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker. Mit seinen Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten zählt er zu den herausragenden Vertretern der Renaissance.
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Die Jahrzehnte um 1500, zwischen Mittelalter und Neuzeit, sollten bedeutende gesellschafts- und geistesgeschichtliche Veränderungen mit sich bringen, die sich noch immer als historische Zäsur begreifen lassen: Auch im deutschen Südwesten waren die politischen und geistigen Zentren mit den Fürstenhöfen und den landesherrlichen Universitäten markiert, als wirtschaftliche Mittelpunkte bestimmten die größeren Städte den überregionalen Handel und Verkehr. Gleichzeitig lebte die große Mehrheit der Bevölkerung noch auf dem Land und von der Landwirtschaft, die natürlich auch die Höfe und Städte zu versorgen hatte.
Die Abhängigkeit von den klimatischen Entwicklungen war damals essenziell: Mit dem Beginn der sogenannten "Kleinen Eiszeit" im späten Mittelalter waren die Durchschnittstemperaturen in Mitteleuropa spürbar zurückgegangen; lange Winter, verregnete Sommer und Unwetterkatastrophen häuften sich. Ernteausfälle waren vielfach die Folge und verstärkten die Krisenstimmung gerade beim einfachen Volk.
Der weithin wachsende herrschaftliche Druck ging besonders im deutschen Südwesten mit Unruhen unter der bäuerlichen Bevölkerung einher – die mehrfachen Aufstände des "Bundschuh" am Oberrhein und des "Armen Konrad" in Württemberg 1514 stehen dafür. Aber nicht nur für die "armen Leute", auch unter Bürgern, Adel und Geistlichkeit herrschte eine gedrückte, verängstigte Stimmung. Weltliche und geistliche Autoritäten, Kaiser und Papst, standen vielfach in der Kritik; offene Gewalt, kirchliche Missstände und herrschaftliche Willkür bestimmten die Szene. Die Endzeiterwartung der Zeitgenossen äußerte sich vielfältig in Prophetien und künstlerischer Darstellung; die biblische Apokalypse wird zu einem Schlüsselthema der Zeit.
Hmh, als Ausgangspunkt habe ich ja eine Doku über Dürer gewählt, die in ARTE läuft. Dabei stehen dann seine
Selbstpoträts und die damit verbundene Entwicklung im Vordergrund.
Also ich muss gestehen, mit dem Motiv des Hasen kann ich weniger was anfangen. Also die Dinge, die man
als Kind immer so vergezeigt bekommt hat.

Sicher handwerklich toll gezeichnet. Aber es sind dann mehr die "phantastischen" Stiche aus der Apokalypse und
auch dann auch die Aquarelle - die für mich - interessanter sind. Da ist dann der Personenkult für mich dann auch
verständlicher geworden.

Ich denke, die Fähigkeiten von Dürer sind letztendlich nach Wikipedia nicht vollends aufgezählt. Den Erfolg
hat er sich auch durch seine Vermarkungsfähigkeiten gesichert.

Interessant ist eben dieser Übergang zur Renaissance und auch diese etwige Untergangsvision, die in
regelmäßigen Zeitabständen auftaucht. Gerechtfertigt oder nicht lasse ich mal dahingestellt.
Was ich an Dürer faszinierend finde, ist die Art der Wahrnehmung, die schon als Kind stark ausgebildet
war. Und eben auch die Durchsetzung seiner Vision, seinem Ich.

Da latscht er mal 3 Wochen nach Italien, malt zwischendurch noch etliche Aquarellbilder. Gegen den
Willen seines Vaters wird er nicht Goldschmied, sondern eben Maler. Bei Italienreise denkt man ja
immer an den Typen mit dem Hut auf einem Sofa.

Wenn man so will war Dürer einer der ersten Mainstream-Künstler. Und eben ein Universalgenie.
Maler, Kupferstecher, Drucker, Verleger.....Die Apokalypse ist ja der erste richtige Renner im
Kunst-Buchdruck. Künstler, Handerwerker und Unternehmer. Dürer war seine eigene Marke.
Dazu muss man sich nur die Bedeutung seines Monogramms anschauen und auch wie er
gegen Kopierer/Fälscher vorgegangen ist.

Angeblich - nach der Doku - sollen ja das die ersten Fälscher unterwegs gewesen sein. Das
glaube ich jetzt nicht unbedingt. Aber ich bin jetzt auch zu faul ein Gegenbeispiel herauszusuchen,
wo dann vielleicht jemand aus der Luft heraus, dies als fake news bezeichnet. Keinen Bock.
Heute reicht ja ein ad hominem. War man damals weiter? An Personen wie Dürer merkt
man eben auch, wie regressiv die heutige Zeit ist. Wahrscheinlich will man uns deswegen
dann auch die Armut wiedergeben. :D Etwas Spott muss sein.

Die Doku wirkt dann auch etwas wie ein Emanzipationsprozess gegenüber "Venedig",
dem damaligen künstlerischen Epizentrum.



Man kann doch Themen auch witzig anfangen, wobei sich die toten Künstler nicht mehr
wehren können. Trotzdem:


So, um sich die Zeit um 1500 besser vorstellen zu können:



So, noch etwas RTL rein:

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Dass man auf einem Flohmarkt durchaus mal ein echtes Kunstwerk ergattern kann, davon kann ein Mann aus Boston, Massachusetts, jetzt ein Lied singen. Statt einer einfachen Zeichnung nahm er ein wahres Meisterwerk mit nach Hause – ohne es zu wissen.
Wahrscheinlich so teuer, weil es heute dazu nicht mehr reicht. :D Da muss eine Tomatensuppe ausreichen, die man
dann über das Kunstwerk schüttet. Gut, dass solche Kunstwerke gesichert sind.
Heutige Regression? Bei Klimakunst lande ich bei Klimatechnik. :grin: So, habe ich noch einen aktuellen Bezug
gesetzt. Wenn ARTE das schon macht.
Zuletzt geändert von Anders_son am 26. Nov 2022, 16:53, insgesamt 4-mal geändert.
„Um Böses zu tun, muss ein Mensch zuallererst glauben, dass das, was er tut, gut ist.“
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Re: Geschichtsbrocken

Ungelesener Beitrag von Anders_son »

Mist, aber auch, beschäftigt man sich mit der Zeit kommt man automatisch zum Ablasshandel.
Warum ich dabei an Co2-Zertifikate denke?

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Die Lehre vom Ablass ist ein Konzept, das eng mit den Konzepten von Sünde, Buße, Reue, Umkehr, Gnade und Vergebung in der katholischen Theologie verankert ist. Der Ablass (Indulgenz) bezeichnet einen in der römisch-katholischen Theologie geregelten Gnadenakt fußend auf dem Gnadenschatz, durch den nach kirchlicher Lehre zeitliche Sündenstrafen erlassen (nicht dagegen die Sünden selbst vergeben) werden. Durch die Praxis der Ablassbriefe sollte den Gläubigen ein dem Geldbetrag entsprechender Erlass zeitlicher Sündenstrafen im Fegefeuer für sie oder für bereits gestorbene Angehörige bescheinigt werden können.

Grundsätzlich unterscheidet die römisch-katholische Kirche zwischen Sündenstrafe (poena peccatum) und Sündenschuld. Die aus der Sünde folgende Sündenstrafe kann ewig oder zeitlich sein. Diesen zeitlichen Sündenstrafen gilt der Ablass, sie werden unter anderem durch den Ablass nachgelassen.[1]
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Neuzeitlich schau ich dann auf den "Climate Emergency Fund", (reiche Leute mit schlechtem Gewissen?)
in diesen Fond einzahlen. Irgendwo fällt diesbezüglich das Wort Philantrop. :D
Ach ja. Na wissen die Leute wenigstens wo sie die Rechnungen hinschicken können. Aber der "gewollte"
Erffekt erinnert dann schon auch "etwas" an den Ablasshandel.

Man darf einfach nicht so viel googeln. Zur Vollständigkeit:

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Steinreiche, angebliche Philanthropen aus den USA besudeln die parlamentarische Demokratie und politische Kultur Europas mit Tomatensuppe, Kartoffelbrei und Sekundenkleber. Eine von ihnen ist die Erbin des Öl-Imperiums von Jean Paul Getty.
So steht es im Cicero. Ob das dann "auch so" stimmt, in der heutigen Pressewelt darf man alles anzweifeln.
Immerhin ist mir dabei dann auch gleich eine Idee gekommen, warum man sich auf Museen konzentriert.

[Externer Link : bitte anmelden] :)

Ich stelle mir das gerade in einem Kinosaal vor. Ob da vom Publikum auch noch eine neutralere
Stimmung rüberkommt? Denke an das ganze Popcorn und die Softdrinkbehältnisse. Bei manchen
Filmen könnte das Publikum etwas ver_rohter sein. :grin:

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J. Paul Getty war ein Sohn von George Franklin Getty und dessen Frau Sarah Risher. Er war der Gründer der Getty Oil Co., die seit 1984 zu Texaco Inc. gehört. Neben seiner erfolgreichen unternehmerischen Tätigkeit war er auch Kunstsammler und -mäzen. Er gründete 1953 die Stiftung J. Paul Getty Museum Trust[2], die bis heute Träger des Paul Getty Museums ist. Das von Getty in Auftrag gegebene Originalgebäude, die Getty Villa auf dem Gelände seines eigenen Privathauses, beherbergt heute die Antikenabteilung des Museums.
Sagt man heute zu jemanden mit schlechtem Gewissen "Philantrop"? :grin:

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Philanthropie

Teile ihres Vermögens spendet sie an den Climate Emergency Fund (4 Mio. Euro),[1] den sie mit Personen wie Adam McKay und Rory Kennedy begründete. Dieser unterstützt Klimaschutzorganisationen wie zum Beispiel Just Stop Oil (1,1 Mio. Euro)[1] und die im deutschsprachigen Raum aktive Letzte Generation.[2] Getty war bereits zuvor philanthropisch tätig. Durch den Bau einer AIDS-Klinik für Kinder und Frauen in den 1990er-Jahren verband sie eine Freundschaft mit Prinzessin Diana.[3]
Philantropisch klingt dann etwas nach Euphemismus, wobei man die Person letztendlich nicht einschätzen kann.
Aber immerhin mit der Firmengeschichte....joh. Klingt etwas nach "soap opera" und den alten charity gedanken.

Die Lehre vom Ablass ist ja mit Buße, Umkehr, Vergebung etc.. verbunden. Das psychologische Moment ist heute
ja immer noch dar. Für mich hat das weniger etwas mit Rationalität zu tun, als mit dem Gedanken um Vergebung oder
besseren Behandlung im Totenreich oder kulturellem Andenken.
Schon etwas knauserig. :grin:
Früher bauten die Pharaos wenigstens noch riesige Pyramiden, heute muss dann ggf. eine bezahlte
Rechtsanwaltsrechnung reichen. Immerhin.
Mal vom Spott abgesehen kann es ja auch tatsächlich Menschen das Leben gerettet haben.
Keine Ahnung, wer dann da eine Endabrechnung aufmacht.

So von Dürer zum 15ten Jahrhundert, dann zum Ablaßhandel und Klimajüngern. Mäzene, gab es damals
in der Renaissance ja auch zu Hauf.
Die Anfertigung religiöser Kunst für reiche Leute, die sich davon dann etwas versprachen.
Eine Geldanlage, hat was von Kryptowährung? :grin:

Aber ohne dies würde es die ganzen Kunstwerke nicht geben. Und damit auch nicht andere Entwicklungen.
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Alexander Solschenizyn

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Re: Geschichtsbrocken

Ungelesener Beitrag von Anders_son »

Passt vielleicht ganz gut zum vorigen posting und dem Ablasshandel.

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Jeff Bezos, der viertreichste Mensch der Welt, will sein Vermögen zu Lebzeiten verschenken. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Fernsehsender CNN kündigte Bezos an, dass er den Grossteil seiner 124 Milliarden Dollar in den kommenden Jahren an wohltätige Organisationen geben werde. Mit diesen Spenden wolle er vor allem den Klimawandel und die Spaltung innerhalb der Vereinigten Staaten bekämpfen, sagte Bezos. «Wir haben grosse Probleme in der Welt, und die bekämpft man, indem man zusammenarbeitet.»
Bezos hat dieses Jahr 68 Milliarden Dollar verloren

Der 58-Jährige war lange Zeit der reichste Mann der Welt und belegt nun im Bloomberg Milliardärs-Index den vierten Platz der :Dvermögendsten Menschen weltweit. Sein Reichtum basiert vor allem auf Anteilen am Amazon-Konzern, den er Ende der neunziger Jahre mit seiner Ex-Frau Mackenzie Scott aufgebaut hatte. Da die Amazon-Aktie dieses Jahr um 40 Prozent an Wert verloren hat, ist auch Bezos’ Vermögen in den vergangenen Monaten um 68 Milliarden Dollar gesunken.

Bezos hat zudem das Raumfahrtunternehmen Blue Origin gegründet, das vergangenes Jahr erfolgreich eine Rakete ins Weltall geschickt hatte. Er besitzt zudem die «Washington Post» und erwägt derzeit laut Medienberichten, das Football-Team Washington Commanders zu kaufen.
Ein guter Mensch? Der folgenden link zeichnet über den o.a. Konzern eine Sicht, die dazu im Widerspruch steht. Wobei Bezos
jetzt ja nicht mehr CEO ist. Wahrscheinlich jetzt auch Philantrop. :D
Könnte auch eine Form von Rentnermodell für Miiliardäre sein, keine Schönheitsoperation im herkömmlichen Sinn.

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Ob sich das auh auf den privaten Lebensstil auswirkt? :D

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hmh, hier noch ein link, der sich dem Thema "Heuchlei" in diesem Zusammenhnag angenommen hat. Meiner
Meinung nach doch recht differenziert. Ob Bezos tatsächlich einer Religion oder einem Glauben angehört,
war für mich nicht feststellbar. Deswegen ist der Bezug auf ein Plätzchen im Jenseits rein spekulativ.
Imagepflege und andere Gründe dagegen halte ich m.E. für "möglich". Na ja, um Jeff muss man sich keine
Gedanken machen.
Ist für mich in der Betrachtung auch nur deshalb interessant, weil ich mich frage, ob das Wort "Philantropie" euphemistisch
verwendet wird. Besonders bei Supermilliardären. :) Spenden als Denkmäler?

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„Um Böses zu tun, muss ein Mensch zuallererst glauben, dass das, was er tut, gut ist.“
Alexander Solschenizyn

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Re: Geschichtsbrocken

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Schon im Byzantinischen Reich stritten die Menschen um Bildnisse. "Ikonoklasmus", das Zerbrechen der Bilder, nannten die Griechen das. Bilderstürmerei zog sich auch durch die Reformation, als Luther, Zwingli, Calvin und andere Reformatoren gegen Heiligenbildchen, Ikonen und Reliquien und das Geschäft damit wetterten. Es waren Aufstände gegen das Abbild, aber eigentlich ging es um das Ganze, das System, den Geist der Epoche und die Frage, wie wir leben wollen.
Beim Ikonoklasmus geht es um Bildstürmerei. Auch ein altes Hobby der Menscheit.


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Eine lange Tradition hat der Ikonoklasmus nicht nur im Christentum (besonders im Calvinismus), sondern auch im Islam (besonders im Wahhabitentum). James Noyes hält den Ikonoklasmus jedoch auch für ein typisches Phänomen der Moderne und eine wesentliche Begleiterscheinung der Entstehung säkularisierter Staatswesen. Die Durchsetzung von Monotheismus durch Zerstörung „falscher Götter“ sei mit der des modernen Nationalismus zu vergleichen. Auch den italienischen Futurismus hält Noyes für eine ikonoklastische Bewegung.[1]
Zum religiösen Verbot von Bildern allgemein: siehe Bilderverbot
Zum Ikonoklasmus in der byzantinischen Kirche: siehe byzantinischer Bilderstreit
Zur Reformationszeit: siehe reformatorischer Bildersturm
Zum Islam: siehe Bilderverbot im Islam
Zur politisch motivierten Zerstörung von Herrschaftssymbolen: siehe Politischer Ikonoklasmus
Da ist man dann ganz schnell beim: [Externer Link : bitte anmelden]
Kulturvandalismus ist die mutwillige Zerstörung oder Beschädigung von Kulturgütern. Im weitesten Sinne ist damit jede Art von Handlung gemeint, die mit Vorsatz oder Billigung dazu führt, dass Kunstwerke wie Gemälde, Skulpturen, Architektur, Stadt- oder Kulturlandschaften, Wissenschaft, Literatur, Musikwerke oder immaterielle Kulturgüter Schaden nehmen oder unwiederbringlich zerstört werden. Kulturelle Hervorbringungen materieller oder immaterieller Art gelten als Zeugen des kulturellen Gedächtnisses und werden heute gemeinhin als besonders schutzwürdig eingestuft. Kulturvandalismus schweren Grades kann daher als Vergehen gegen die gesamte Menschheit gelten, denn im schwersten Fall hat er Kulturverlust zur Folge, das heißt die vollständige Auslöschung der Erinnerung an die Kulturgüter und ihre Schöpfer. Die Zerstörung des kulturellen Erbes wird durch die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 14. Mai 1954 als Verbrechen sanktioniert. Kulturvandalismus kann religiös, ideologisch, politisch, ökonomisch oder individuell motiviert sein. Der Begriff des Kulturvandalismus ist weiter gefasst als der des Ikonoklasmus, der zwar gelegentlich synonym gebraucht wird, jedoch im engen Sinne die religiös motivierten Zerstörungen von Bildwerken zur Durchsetzung eines Bilderverbots bezeichnet.
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