MinaHarkness :: Was vom Tage übrig bleibt..

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Marina
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MinaHarkness :: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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.. ist mitunter ein Zufriedenheitsgefühl. Dann ist es gut gelaufen. Das ist eigentlich das, was ich anstrebe. Jedoch, es sind zu wenige Tage, für meinen Geschmack, an denen ich dieses Gefühl habe. Okay, wenn wir dann dort draußen im Garten sitzen, im Dunkel und der tiefen Stille, dann stellt sich fast schon automatisch auch die innere Stille, der innere Friede, wieder ein. Manchmal sehen wir, im Gegenlicht der letzten Reste Dämmerung, die kleinen Fledermäuse, die blitzschnell herumflattern. Und dann denke ich, auch wenn ich aktuell chronisch unzufrieden mit mir bin: Morgen ist ein neuer Tag. Einer, an dem ich es besser machen kann. Oder auch einfach nur gut. Zufriedenstellend. Vielleicht sogar ein bisschen besser als erwartet.

Ich hoffe, dass ich hier nun endlich (m)ein Zuhause finde. Eines, an dem ich nicht in regelmäßigen Abständen mein Tagebuch wieder einstampfen und immer wieder neuerlich von vorn beginnen muss.

Ein neues Habitat für Mina. Und Minas Tagebuch.

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Marina
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Am Ende ist es immer so. Will man etwas Vernünftiges, etwas, bei dem man sich sicher sein darf, die eigene Arbeit nicht in den Sand zu setzen, seine Zeit nicht zu vergeuden und / oder sich womöglich noch von irgendwelchen selbstherrlichen Schnöseln gängeln lassen zu müssen; dann muss man es selbst machen. Manchmal fügt der Zufall die Dinge. Einfach so. Oxymon schrieb davon, dass ihm das Board wie eine leere Fläche erschiene. Mir ergeht es ähnlich. Ich erlebe das hier, ähnlich eines noch weitgehend unbeschriebenen Blattes, das darauf wartet, mit Leben, Ideen und Informationen gefüllt zu werden. Aller Anfang ist schwer. Er beinhaltet jedoch auch immer eine Menge (neuer) Möglichkeiten.
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>> Jedem Anfang wohnt (auch) ein Zauber inne. <<


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Mischa
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Mischa »

Ich find's gut. Dass Dinge sich ergeben, meine ich. :kn: Wir wuppen die Kiste schon.
Einen flockigen Tag noch. :hdl:

Grüßerle!
Mischa
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Marina
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Happy bin ich aktuell ebenfalls. Von daher passt der Song. Als ich den Ort verließ, an dem ich mich immerhin etwa acht Monate sehr intensiv beteiligt hatte, da kam das Loch. Mir wurde gewahr, von wie vielen Leuten ich gar keine Kontaktdaten hatte. Und irgendwie bedauerte ich das. Ich pflege im RL kaum Freundschaften. Aber irgendwie fehlten mir die Leute, das gemeinsame Schreiben, Scherzen, sich den Alltag erzählen. Vielleicht bin ich doch gar nicht ganz so asozial, wie ich das von mir selbst annehme. (Du hör auf zu lachen, Mischa!) Na ja, jedenfalls habe ich nun große Freude, daran, dass es möglich sein wird, einige dieser Kontakte zu erhalten und das, was mir so gut gefiel und mir mehr bedeutete, als es mir bewusst war, hier nun fort zu führen.

Diese Gespräche nebenbei, die in gewisser Weise zu einem Teil meines Tagesablauft geworden sind. Und zwar einem, der mir gut gefällt und den ich vermisse, ist er nicht mehr da. Man lernt ja immer (zumindest häufig) etwas erst zu schätzen, ist es auf einmal nicht mehr da. Nun gibt es etwas Neues. Etwas - und das freut mich noch viel mehr - bei dem ich nicht mehr fürchten muss, dass ich völlig unvermittelt vor einer Sperrmitteilung stehe; wie ein begossener Pudel. Der dann Rätsel raten darf, was er jetzt wieder Unerhörtes getan haben soll? Das hat mich gegen Ende hin auch deutlich belastet. Auch das kann ich mir jetzt erst, im Rückblick, in vollem Umfang eingestehen.

Klar, ich war zornig. Der Zorn überdeckte dann auch das, was darunter lag. Und das war Enttäuschung, Fassungslosigkeit und Resignation, darüber, mich regelrecht gemobbt zu erleben. So etwas war mir bis dato in dieser Form noch nie geschehen. Aber jetzt ist es vorbei! Ja - es ist vorbei!

Jetzt ist es das tatsächlich und ich kann nach vorne schauen. Danke Leute!
:ju:
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Mischa »

Ich bin seit etwa 2001 regelmäßig im Internet unterwegs. Damals waren weibliche Techadmins noch die Ausnahme. Ich habe ab ca. 2004 Foren hochgezogen und betreut. Und ich sah sie steigen und fallen. Ich sah regelrechte Kriege, bei denen ich mich oft gefragt habe, was um alles in der Welt solche Auswüchse erzeugt, die trieften vor Hass und Willkür?

Manchmal dachte ich bei mir, dass bei einigen moderativen Minidiktatoren, so manch römischer Kaiser vor Neid erblasst wäre. Ich habe Diskussionen geführt, die über Tage und Wochen Schlammschlachten glichen, bis irgendwer sich erbarmte und ein Schloss daran hängte. Nur damit irgendein Witzbold, der den Hals noch nicht voll hatte von dem Textgemetzel, dann nach nicht einmal einer Stunde die nächste Arena eröffnete.

Teilweise zweifelte ich während dieser Zeit ernsthaft am Geisteszustand meiner Mitmenschen. Nicht, dass ich das nicht sowieso schon getan hätte. :ups: Was ich aus all diesen Jahren lernte, war in allererster Linie, dass man es selbst in die Hand nehmen muss, wenn man bestimmen will wo es langzugehen hat.

Man braucht eine Art Leitlinie, der sich dann diejenigen verschreiben, die eine Sache auf die Beine stellen. Und in Foren sind das zuallererst mal die User. Wer meint, seine User angehen, übermäßig maßregeln zu müssen oder ihnen gar vorschreiben will, was sie zu denken und zu posten haben, der hat verloren. Manchmal dauert es länger, bis der Verfall deutlich wird. Manchmal kürzer.

Aber er kommt. So sicher wie das Amen von der Kanzel. Um irgendwen von einer Sache zu überzeugen, dazu braucht es Argumente. Keine Sperrungen oder Zensur. Es gibt mittlerweile unendlich viele Angebote. Kein User ist mehr auf irgendwen angewiesen. Wer dann noch immer meint, den moderativen Hengst raushängen lassen zu müssen, der bekommt eben die Quittung. Just that simple.

Wir machen das jetzt hier. Und wir machen es anders. Keep cool Mina. Alles wird gut. :hdl:

Die Mischa
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Marina
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Bisschen 80ies Feeling:



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Nach einer langen, heißen Dusche mit Lieblingspeeling sieht die Welt immer gut aus, irgendwie. Gestern mal wieder eine liebe Mail bekommen, mit dem Hinweis, dass ich nicht endlos belastbar bin. Wie wahr! Wie desillusionierend! Ich wäre so gerne so etwas wie Superwoman. Allerdings befürchte ich, dass ich selbst dann zu viel auf die Agenda packen würde. Da läuft etwas schief. Und das nicht erst seit gestern. Und es verschärft sich. Zuerst einmal muss ich zusehen, dass ich meine Leistungsfähigkeit wieder nach oben bekomme. Folglich gilt, Detox und mehr Aufmerksamkeit, auf das, was ich tue und das oft einfach nur so vorbei rast. Und dann ist der Tag auch schon wieder um.
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Über das Raubtier in mir
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Tauchen wir doch mal ein bisschen ein, in das, was einen Teil meines Selbst, das zu bändigende Raubtier in mir, so sehr in Verzückung zu versetzen vermag. Das "Dunkel", das so gern dort hinein schlüpft, sich wohlig suhlt, in dem, was es als das wahre Wesen des Menschen definiert. Und das tut es, weil es sich selbst darin spiegelt, in einem mitunter unstillbar erscheinenden Rache- und Todestrieb. Das Dunkel ist Thanatos in Reinkultur, die Inkarnation des Schmerzes und der Destruktion - mitten in mir. So etwas, wie eine Art Todesgöttin. Hätte dieses Dunkel in mir, zu jenen Zeiten gelebt, zu denen diese Dinge, die es so sehr zu genießen vermag, stattfanden, es hätte Vollstrecker sein wollen. Bejubelt vom rasenden Pöbel, der drumherum stand und die unsäglichen Grausamkeiten anfeuerte, die besagte Vollstrecker vor ihren gierenden, gaffenden, geifernden Augen vollbrachten.

Todesstrafen, die derartig brutal waren, dass ein moderner Mensch sie kaum noch nachvollziehen kann. Das Dunkel kann - und es liebt die Details. Saugt diese in sich auf und beginnt damit zu spielen. Besonders fasziniert ist es vom Rädern und vom Pfählen. Beides Todesarten, die, oft von dem Vollstreckenden mit weiteren, das Leben des Delinquenten verlängernden, Praktiken garniert (manche überlebten diese Tortur sogar nachhaltig), vor der tobenden Zuschauermenge durchgeführt wurden. Das Dunkel ist begeistert. Das wäre seine Bestimmung gewesen und würde ich an ein früheres Leben glauben, so wäre ich einer dieser Foltermeister gewesen und hätte, da bin ich ziemlich sicher, einen verdammt guten Job gemacht.

Das Dunkel ist der Teil in mir, der weder Mitgefühl für das Gegenüber, noch für sich selber kennt. Und genau das ist der Sinn dieses psychischen Überlebensmechanismus der (erworbenen) Psychopathie. Ohne das Dunkel, hätte ich Mitgefühl mit mir, mit diesem Kind gehabt, das durchaus Ähnliches erlebte, wie die Foltermethoden früherer Zeiten. Das besudelt, geschändet und extremsten körperlichen Schmerzen ausgesetzt, innerlich in zwei Teile zerfiel. Und der eine Teil, der das Überleben dieses Kindes, das ich war, ehemals überaus gefühlvoll und begabt, sicherte, er spaltete in erster Linie eines ab - das Mitgefühl für sich selbst. Dass es dann auch generell abhanden kam, das war lediglich ein Kollateralschaden.

Zum Glück blieb daneben eine Instanz erhalten, die in der Lage ist, diesen Ozean aus Hass, der im fahlen inneren Mondlicht schimmert, zu befahren und - innerhalb des Bootes - dafür zu sorgen, dass ein taugliches, sozial kompatibles Alltags-Ich erhalten bleibt. Darüber hinaus ist diese Instanz zum affektiven Mitfühlen in der Lage, so sie das zulassen will. Diese Instanz, dieser zweite Teil in mir, ist mitunter in atemlosem Entsetzen befangen, steht er dem Dunkel unmittelbar gegenüber. Dieser Chimäre aus allem Übel, welches je aus dieser Außenwelt in mein Inneres zu gelangen vermochte und dort zu einem gewaltvollen Wesen mutierte, das majestätisch seine Pfründe beschleicht.

Durch eine genetische Disposition kommt noch ein mangelndes / vermindertes Angstempfinden hinzu und eine Art Skrupel- und Gewissenlosigkeit. Alles Sicherheitsmechanismen, die normal konstituierte Menschen ganz selbstverständlich ihr Eigen nennen, um die inneren Dämonen in ihre Schranken zu weisen. In mir ist das nicht so. Nicht nur, dass ich einen Dämon in mir vorfinde, der in seiner brachialen Ausprägung überdurchschnittlich ist, ich finde auch lediglich unterdurchschnittliche Gitterstäbe vor, die das Biest eingrenzen könnten. Und jetzt darf man sich gerne einmal ernsthaft die Frage stellen, was mich eigentlich davon abhält, ein durchgängig toxisches, brutales und somit gefährliches / destruktives Miststück zu sein?

Es ist ganz simpel, prinzipiell. Die Konsequenzen, die es hätte, würde ich dem stattgeben. Ich mag mein Leben. Und zwar so wie es ist. Im Grunde mag ich auch die Menschen. Auch, wenn ich ihre Schwächen, ihre Abartigkeit, ihre unsägliche Dummheit, ihre Gier und all das Übel, das sie in sich tragen - genau wie ich selbst - glasklar zu sehen vermag. Und auch ihre ewigen (Selbst)-Lügen, es laut schreiend von sich zu weisen, in schier ekelhafter Bigotterie und einer jämmerlichen Gutmenschlichkeit, die mich oft bitter auflachen lässt. Sie können sich selbst nicht ertragen. Nicht ertragen, was sie sich selbst und ihren Mitmenschen (von der Natur und den Tieren einmal ganz abgesehen) antun, weil ihnen, würden sie es nicht negieren, ihre Empathie und ihr Gewissen Qualen bereiten würden. Und genau das, dass ich diese nämlich nur stark vermindert in mir vorfinde, erlaubt mir den klaren Blick auf das, was in uns allen lebt. Mal mehr, mal weniger.

Ebenso sehe ich auch das Gegenteil. Ich weiß menschliche Schönheit, die ich rein innerlich verorte, absolut zu schätzen. Ich verehre klare Geister mit starkem Charakter, die sich, ihrer Schattenseiten wohl bewusst, sich diesen stellen und dabei über sich hinaus wachsen. Ich bin beeindruckt von Menschen, die wider ihrer Angst und moralischer Knuten, sich einer Sache verschreiben und dafür kämpfen, hoch erhobenen Hauptes und brennend im Innen. Ich bewundere große Künstler, die Werke schaffen, die der Vergänglichkeit zu trotzen gedenken. Ja, ich finde so vieles in den Menschen, dass ich mich mit der Todesgöttin in mir in Schulterschluss begeben und mich mit ihr immer neuerlich zu versöhnen vermag.

Deshalb - und nur deshalb - bin ich kein "Miststück" und neige nicht zur Delinquenz. Ich hatte eine Chance. Viele von denen, die vom Weg abkamen, die hatten diese nicht. Nicht wirklich.

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Marina
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

Menschen und ich

Ich bin sehr dankbar für einen - vermutlich ziemlich typisch psychopathischen - Charakterzug in mir. Ich nehme zumindest an, dass das besonders psychopathischen Strukturen gegeben ist (natürlich nicht nur diesen), weil sie sich ohnehin in dieser Weise erleben / wahrnehmen. Mir ist das Empfinden von Einsamkeit so gut wie unbekannt. Es ist das Eigenerleben des Solitärs, das es mir ermöglicht, mich regelrecht in ein eigenes Universum zu versetzen, in dem es nur mich gibt. Und ich fühle mich weder einsam, noch allein darin.

Ich bin die mental entgrenzte Grenzsetzerin. Gedanklich kann ich überall hinein, hindurch und darüber hinaus. Nichts, weder Skrupel, noch Ekel, noch Angst, stehen meinen gedanklichen Prozessen nennenswert im Weg. Ich kann mich völlig frei bewegen, dort, in einem Gedankenuniversum, voller dunkler Nebel und heller Sterne. Dorthin ziehe ich mich ins Innen zurück, wird im Außen eine Grenze überschritten, die mir nicht statthaft erscheint. Auf diese Weise habe ich diverse, zu Stalking neigende Personen, relativ problemlos aus meinem Leben entfernen / fern halten können. Außer einen meiner Ex-Partner, den musste ich aktiv manipulieren, aber auch das war schnell erledigt, wenn auch unter Aufbietung einer gewissen Überwindung meinerseits. Ich bin eine absolute innere Festung, bzw. werde unverzüglich zu einer solchen, wird mir gewahr, dass jemand womöglich gedenkt mich zu nötigen und ich nicht bereit zu diesem Spielchen bin. Ich allein bestimme auf was ich mich einlasse. Und ich allein mache die Regeln.

Es gibt nichts, das ich tue, nur aus sozialem Zwang heraus. Denn ich benötige das Soziale lediglich als rudimentäre, mittelbare Umgebungslage, um zu existieren. In unmittelbarer Form brauche ich es nicht. Ich könnte problemlos den Rest meines Lebens alleine zubringen. Was ich mir viele Jahre lang bereits bewiesen habe. Unabhängigkeit, nicht nur finanziell, sondern auch sozial. Beides trifft auf mich zu. Und das, denke ich, ist eine der größten Stärken, einer Persönlichkeit, wie meine sie darstellt. Das ist es wohl auch, was mich in meinem tiefsten Wesen ausmacht. Ich brauche nicht. Ich will (oder eben nicht). Ich schätze das sehr. Es ist Teil dessen, was mich mit meiner Verfasstheit versöhnt.

Ich brauche niemanden Bestimmten, das trifft es noch mehr auf den Punkt. Ich binde mich idR nicht sehr tief an Menschen, nicht an bestimmte Personen. Menschen kommen und gehen in meinem Leben. Meist in recht überschaubarem, zeitlichem Turnus. Insofern, zu meinen üblichen Beziehungsmustern mit Menschen und was mich so unabhängig von Einzelpersonen sein lässt: Sehr vereinfach gesagt, es gibt genug von ihnen. Geht der Eine, kommt der Nächste. Allerdings werde ich älter und bin mir nicht sicher, ob ich dann im Privatbereich komplett isoliert leben will.

Ergo ist es klug, wenn ich mir die Fähigkeit aneigne, stabile Bindungen aufzubauen. Zumindest stabiler, als das bisher der Fall ist. Aktuell ist es so, dass das hochgelobte soziale Netz, für mich lediglich einen Stressfaktor darstellt, der mich mit diversen Bedürfnissen meiner Umwelt konfrontiert. Der Nutzen, den ich aus solchem Netz ziehen würde, ist wesentlich geringer, als der angesprochene Stress, mich um Geburtstage, sonstige Feiertage, regelmäßige Kontaktpflege u. ä. m. kümmern zu müssen. Wenn ich reden will, was selten genug der Fall ist, gibt es das Internet und die Telefonseelsorge. Brauche ich Unterstützung, gibt es soziale Dienste. Dazu muss ich es mir nicht antun, mir spezielle Menschen quasi warm zu halten. Auch familiäre Bande pflege ich keine.

Ich habe keinerlei Probleme, jederzeit neue Kontakte zu knüpfen, mir ggf. Hilfe zu organisieren und für meine Bedürfnisse zu sorgen. Insofern haben Einzelkontakte für mich im Grunde keinen besonderen Stellenwert. Hinzu kommt, dass Menschen mich im engeren Kontakt extrem schnell langweilen, so sie nicht in gewissem Sinne überdurchschnittlich und / oder sonst wie besonders und damit längerfristig spannend sind; und bleiben. Ich bin wie ein Wanderer, der manchmal kurz verweilt und dann weiter geht. Menschen sind in diesem Szenario, wie die stetig wechselnde Landschaft, bzw. wechselnde Statisten in dieser. Ich hänge mich nicht an einzelne Personen. Aktuell mit nur zwei Ausnahmen.

Unabhängigkeit ist mir ein sehr hohes Gut. Ich werde sehr genau eruieren, inwieweit es sich lohnt, diese in gewissen Teilen aufgeben zu wollen.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Traumset - auch optisch:



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BE PAST

Sicher gängig
weiche Sohlen
in meiner Brust
schlägt kühler Stahl
Träume werden
sanft gespiegelt
Innenwände nackt und fahl

Ich bin nichts
nur eine Fläche
in der sich jede Hoffnung bricht
innerhalb mir
kein Entrinnen
Existenz im Dunklen
braucht nicht mal ein kleines Licht

Nachtsicht Augen
scharfe Zähne
lange Krallen
ja - du weißt doch was ich bin
komm zu mir
und sterbe
auf der Suche nach dem Sinn

Leben flieht
erstarrte Seele
falsches Lachen
viel zu oft wird mir geglaubt
trübe Tage
schmerzvoll langsam
habe ich dein Selbst geraubt

Unbegreiflich
hoffnungsvoll
immer wieder
dreht die Sehnsucht sich im Kreis
dein Drama
mir zur Freude
meiner Macht bist du Beweis

Verstehe doch
dass deine Zweifel
sind ein Haken
der tief in deinem Rachen steckt
an der Angel
meiner Kälte
ist noch jeder laut verreckt

Projektion
eigenen Lebens
Täuschung
eines sehnsüchtigen Wesens
das mich will
in seinem Sinne
töte ich bar Federlesens

Sieh mich endlich wirklich an
lauf um dein Leben
der einzige Rat
den ich dir geben kann.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Der Gevatter, der Fährmann und ihr Boss

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Ich mag alte Gemäuer und besonders mag ich Friedhöfe. Die dort herrschende Stille und Atmosphäre. Oft finden sich viele Tiere, die die Ruhe ebenfalls zu schätzen wissen. Besonders Vögel, welche die großen, knorrigen Bäume und hohen Hecken bevölkern, die sich fast schon obligatorisch auf den alten Gottesäckern vorfinden lassen. Auf verwitterten Steinen wächst Moos und Farn. Eidechsen liegen träge in der Sonne. Viele Käfer und Insekten haben hier ihr Zuhause. Friedhöfe ziehen das Leben an. Kleine Biotope, häufig inmitten von Asphalt. Im Sommer glüht der Beton und es ist merklich kühler, flaniert man zwischen den Gräbern umher. Morbid und marode. Der Vergänglichkeit allen Seins ein Denkmal setzend.


Der Gevatter holt jeden. Er fragt nicht nach Stand und Besitz. Er ist der schreckliche Gehilfe des Fährmannes, der uns alle zum letzten Mal übersetzt. Rive Gauche, das linke, das andere, abseitige Ufer; und eines meiner Lieblingsparfums von YSL. Ein bisschen Freudenhaus mit Kirchennote. Ich mag solche Dinge. Morbides, Marodes, Verruchtes, vermählt mit dem Anklang der stetig verrinnenden Zeit. Wie der Nebel, ganz früh am Morgen, wenn er wie eine Decke über den Feldern liegt und alles verbirgt. Man weiß, dass darunter die Erde ruht, die, von der Sonne aufgeheizt, all diese sich im Wind wiegenden Pflanzen hervorbringen wird - aber man sieht sie nicht.

So ist es mit dem Sterben. Man weiß, dass es einem bevorsteht, irgendwann. Aber noch liegt es unter dem Nebel. Diesem Nebel, der die Illusion aufrecht erhält, man hätte noch Zeit. Wenn der Nebel sich beginnt zu lichten und man des Gevatters und des Fährmannes ansichtig wird, dann hat man manchmal Glück und darf noch einmal zurück. Der Nebel legt sich erneut darüber, aber nun hat man zwei neue Freunde, von denen man weiß, dass sie einen erwarten werden, am Ende der eigenen Zeit.

____ ____


Tief im Herzen, einer in fahles Licht getauchten Parallelwelt, liegt ein Fluss. Ein breiter Strom. Keine Brücke führt hinüber. Das Wasser ist von unbekannter Tiefe. Unzählige Wirbel und Strudel tanzen in dem stetig in Bewegung befindlichen Nass. An beiden Ufern wachsen undurchdringlich anmutende Wälder, deren Ränder von gewaltigen, uralten, knorrigen Bäumen gebildet werden. Der unendliche Wald, zwischen den Gebirgen der ewigen Gewalten, durchzogen vom Lebensstrom. Die Gestalt neben mir ist der Gevatter. Ich bin ihm einige Male begegnet und zweimal hätte er mich fast dem Fährmann übergeben. Wir sind Freunde geworden, über die Jahre, er und ich - und der Fährmann. Ihren Boss habe ich noch nicht persönlich getroffen. Sie beteuern jedoch beide, dass er mich gut kennt und stets bei mir wäre, so wie in allem. Er wäre nicht wie sie. Er wäre allgegenwärtig. Er wäre auch kein Er sondern ein Es.

"Ein letztes Mal?" Der Gevatter kann nicht lächeln, er ist nur in Schemen, gesichtslos aber von ungeheuerlicher Faszination. Ich hingegen lächle ihn an. "Ja, alter Freund. Ich bitte darum. " .. Der Gevatter rammt den Stiel seiner riesigen Sichel in den Boden und zischt: "Musik.."
..



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Ich schließe meine Augen und spüre die Schwere der Goldmünzen, die der Gevatter auf meinen Lidern platziert. Das ist der Deal. Nun werde ich sterben. Mein schmerzender, kranker Körper liegt in seinen Armen, während er ans Ufer tritt und auf den Fährmann wartet. Aber ich, ich stehe als meine eigene Vision neben dem Gevatter und ich tanze, ein letztes Mal auf dieser Seite des Ufers. So will ich gehen, tanzend. So wie ich mich durch mein Leben bewegte, so will ich auf die letzte Reise gehen. Dieses imaginierte Ich, es ist die, die ich heute bin. Im Jetzt und Hier. Voller Kraft, Willen, vorwärts strebendem Sein, Hoffnungen, Wünschen, Erlebnishunger, Energie, Vitalität. Und dieses Selbst, endlich nun in mir zurück, es trägt dieses Sterben bewusst in sich, weiß um seine Freunde, die am Ende meines Lebenswegs, den ich tanzend zu beschließen gedenke, auf mich warten werden. Und das, genau dieses Wissen, erweckt mich endlich wirklich und wahrhaftig zum Leben. Zeit läuft. Tick Tack.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Wieder ein sehr schönes Set, auch optisch (Landschaftsflüge zwischendrin):



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Ich finde es oft diffizil das "richtige Maß" zu finden und zu halten. Nicht nur auf den Alltag bezogen. Das richtige Maß im Arbeiten, im Pausen machen, im Essen, Trinken, Schlafen. Ich hätte darin gerne mehr Kontinuität und Disziplin. Dinge, die mir in den letzten Monaten zunehmend abhanden kamen. Aktuell bin ich dabei, das ganz bewusst wieder mehr in den Fokus zu nehmen. Feste Tagesstruktur, Verzicht auf Alkohol und möglichst weitgehend auf ungesundes Essen, das im besten Falle durch entgiftende Lebensmittel zu ersetzen ist. Wieder mehr Beobachtung auf die leisen Töne, auf die Atmung, die in Wellen auftretenden Schmerzen meiner chronischen Erkrankung. Mehr ich, im eigenen Fokus, anstatt Flucht vor mir selbst in Eseleien.

Ganz besonders schwierig finde ich es jedoch, in Anlehnung an "das rechte Maß", dieses im Internet zu finden. Jetzt mal abgesehen davon, die Zeiten am PC nicht zu sehr ausufern zu lassen. Die geschriebene Form bietet Vorteile, die ich sehr schätze. Ermöglicht strukturierte Darstellung und Beobachtung, therapeutisches Schreiben und bringt bisweilen Menschen zusammen, die sich jenseits dieser Form niemals ernsthaft miteinander in Austausch begeben hätten. All das schätze ich sehr, wie gesagt. Doch alles hat zwei Seiten und so beobachte ich häufig, dass sich Missverständnisse und Unschärfen verstärken, dass (durch das Fremde und fremd Bleibende, weil so vieles fehlt, das den realen Kontakt natürlich unterfüttert), Misstrauen und Feindschaften schneller wachsen. Dass Sorgen "ins quasi Leere" laufen und viele Menschen sich oft noch einsamer, unsicherer und "leerer" zu fühlen scheinen, als das ohne das Netz der Fall wäre. Weil sie hier, im Netz nach etwas suchen, eine Sehnsucht in ihnen Substanz gewinnt, die sie womöglich im normalen Alltag nicht so deutlich wahrnehmen.

Es erscheint mir, wie eine Art Brennglaseffekt, der das alles aufkocht, hochbrodeln lässt und dann vergrößert in den Fokus rückt. Das führt wohl dann dazu, dass Personen sich als bloßgestellt erleben, durch ihr eigenes Geschriebenes. (Das ist der Grund, warum ich hier das Editieren unbegrenzt freigegeben habe. Jeder soll jederzeit selbst bestimmen können, was er / sie preis gibt.) Dass sie, wenn sie deshalb ohnehin unsicher werden, noch wesentlich sensibler auf die Reaktionen ihrer Mitschreiber achten und reagieren. Dass sie diesen nachspüren und sich selbst darin suchen. Und dann, zack, Misstrauen (womöglich eher wenig Selbstvertrauen), Missverständnis, Verunsicherung, Projektion - das Empfinden, in einem Wust aus Buchstaben und Worten keine Aufklärung mehr leisten zu können; nicht ohne erheblichen Aufwand.

Mir geht das oft ganz genau so. Nur läuft das bei mir auf einer eher mentalen Ebene ab. Ich fühle eher Frustration, als Traurigkeit oder Verunsicherung / Angst. Ich erlebe eher Verzagtheit, als Misstrauen oder gar Zorn. Aber auch mit mir macht all das etwas. Ich bin ja nicht gefühllos, nur weniger sozial involviert, dafür mehr intellektuell. Und auf dieser Ebene erlebe ich es oft als sehr schwierig, bis fast unmöglich, besonders wenn Emotionen mit hochkochen, das Ganze konstruktiv zu handhaben. Insofern ist das, was ich jetzt mit diesem Forum versuche / anstrebe, durchaus eine Herausforderung für mich. Ich will hier keine normale Moderation. Ich will hier keine Bevormundungen und / oder Abstrafungen. Ich will einen Weg. Einen, der zueinander führen kann, aber nicht muss. Und wenn er das nicht tut, dann soll es dennoch einen Raum geben, in dem jeder sein Wohlfühlplätzchen haben soll und darf. Das ist für mich die Quintessenz von Moderation. Man ist Gärtner und versucht all die tollen Pflanzen in dem Garten zu bewahren. Und zwar so, wie sie sind. Und dass sie dennoch wachsen und gedeihen können ohne sich gegenseitig zu behindern.

Jede dieser Pflanzen ist wichtig und richtig. Selbst die, die sich für Unkräuter halten sollten, denn sie gehören genau so zwingend und elementar zu einem lebendigen Stück Natur, wie die stolzeste Edelrose. Das sehe ich als meine Intention. Das zu vermitteln und in eine Form zu bringen, die am Ende Früchte tragen kann. Menschen sind nicht schön und wertvoll durch Einheitlichkeit, sondern durch Vielfalt und die Möglichkeit, diese zur vollen Blüte bringen zu können / zu dürfen. So kann man so viel voneinander profitieren. Daran glaube ich. Und darauf hoffe ich. Gerade jemand wie ich.

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Louise

Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Louise »

Hallo Mina,
MinaHarkness hat geschrieben: 28. Jul 2021, 08:58Mir ist das Empfinden von Einsamkeit so gut wie unbekannt. Es ist das Eigenerleben des Solitärs, das es mir ermöglich, mich regelrecht in ein eigenes Universum zu versetzen, in dem es nur mich gibt. Und ich fühle mich weder einsam, noch allein darin. [...] Es gibt nichts, das ich tue, nur aus sozialem Zwang heraus. [...] Unabhängigkeit, nicht nur finanziell, sondern auch sozial. Beides trifft auf mich zu. Und das, denke ich, ist eine der größten Stärken, einer Persönlichkeit, wie meine sie darstellt.
das ist mir schon vor einiger Zeit bei dir aufgefallen und ich finde diese Eigenschaft wirklich beneidenswert. Ich empfinde das bei dir auch als große Stärke. Ich selbst arbeite daran unabhängiger zu werden, finanziell ist es inzwischen kein Problem, aber sozial. Ich merke immer mehr, wie viele Probleme mir diese gefühlte Einsamkeit in meinem Leben gebracht hat. Also mich an Leute zu klammern, die mir nicht guttaten oder sogar geschadet haben. Nur um nicht allein zu sein. Was bringt es auch, sich Menschen warm zu halten, wenn das Gefühl der Einsamkeit dadurch ja doch nicht verschwindet? Ich habe einen recht großen Freundes- und Bekanntenkreis, merke aber zunehmend, wie es mich eher stresst, diesen zu pflegen.
Wenn ich reden will, was selten genug der Fall ist, gibt es das Internet und die Telefonseelsorge. Brauche ich Unterstützung, gibt es soziale Dienste. Dazu muss ich es mir nicht antun, mir spezielle Menschen quasi warm zu halten. Auch familiäre Bande pflege ich keine.
Ich finde deine Pragmatismus an dieser Stelle herrlich und nehme mir auch etwas davon mit. Wie recht du ja eigentlich hast :hea:

LG Louise
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Mal wieder aus der Serie - Mundraub beim Angebeteten..

Setting > Der Herr und Meister sucht einen Film für uns heraus. Er hat es bereits häufiger fertig gebracht, mir Filme zu präsentieren (u. a. Die Nibelungen und Frau im Mond, von Fritz Lang), die mich ziemlich sparsam aus der Wäsche haben schauen lassen. Was beim Gebieter immer für Erheiterung sorgt.

Heute also ein strahlender Blick (seine Augen leuchten immer regelrecht, in froher Erwartung meiner entgleisenden Gesichtszüge) und dann: "Das wird dir gefallen. Sogar in Farbe.. und mit Ton."

Wow, toll. Mir schwante bereits wieder Böses. :grin:

Aber dann bekam ich das hier und muss sagen, der gefiel mir. Ein kleines Lehrstück über die menschliche Natur; und das Entgleisen des Antlitzes hielt sich in Grenzen (armer Gebieter :aetsch: ) ..
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Wieder mal zwei Schnappschüsse, von eben gerade, aus einem meiner vielen Fenster. Fotografie friert den Moment ein und macht ihn bewusster. Macht einem das Schöne bewusster, das einen umgibt, so selbstverständlich, so allumfassend, dass man es oft einfach nicht mehr merkt. Merkbefreit im Paradies. Wenn man es für sich wieder bemerkbar macht, dann ist es tröstlich, finde ich.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Das Wetter klart wieder auf, nachdem hier vorhin wirklich ein sehr extremer Wolkenbruch durchgezogen ist. Teilweise kam das Wasser wie eine Wand, der Donner war sehr laut und die Blitze infernalisch. Das Internet hat es dieses Mal nur kurz erwischt. Es gab es hier oben bereits öfter, besonders in den ersten Jahren in denen ich hier oben lebte, dass es manchmal ganze und halbe Tage ausfiel; immer nach Unwettern. Also scheint es doch etwas gebracht zu haben, dass die Kabel hier neu verlegt wurden.

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Ich schaue hin und wieder in meiner "alten Wirkungsstätte" vorbei und erlebe dort das, was ich dem "netten Menschen", der meinte, mir ein nachhaltiges Hausverbot aussprechen zu müssen, voraus gesagt hatte; würden sie in solcher Weise weiterhin verfahren. So, wie das, was ich dort erleben musste und was schlussendlich dazu führte, dass ich hier nun einen Ort eröffnet habe, gemeinsam mit meiner Teamerin Mischa, bei dem wir uns einig sind, wo wir damit hin wollen. Schlussendlich erwuchs aus diesem "Schlechten", was ich dort erlebte, nun das "Gute", eine Alternative erschaffen zu haben.

Ich bin ein persönlichkeitsgestörter Mensch. Laut meiner Parameter an der obersten Spitze der Dissozialität angesiedelt. Aber das, was ich dort erlebt habe, das würde mir im Traum nicht einfallen. Nicht, weil mir dazu die Vorstellungskraft fehlen würde, sicherlich nicht. Ich habe aus so vielem, was damit zusammenhing, bereits Spießbraten gemacht, das ist mir ein willkommenes, mentales Ventil. Nein, deshalb nicht. Sondern weil ich so etwas als unter meiner Würde empfinden würde. Es ist doch keine Kunst, Menschen mittels ein bisschen Technik zu gängeln und zu täuschen. Das ist keine Herausforderung, sondern, in meinem Empfinden, nur der einfachste (und in meinen Augen armseligste) Weg.

Eine Kunst ist es und eine Herausforderung, die mich viel mehr reizt (als irgendwen billig zu gängeln) etwas zu erschaffen, wo Menschen unterschiedlichster Art und Lebenswelten eine Raum finden, den sie gemeinsam nutzen können und darin einen Minimalkonsens zu schaffen, bei dem alle sich respektiert und beachtet finden. Dass das nicht leicht ist, das weiß ich selbst. Aber es ist auch nicht unmöglich, meiner Ansicht nach. Allerdings erreicht man so etwas nicht, in dem man Menschen wie unmündige Kinder behandelt, und sich dann auch noch wundert, wenn sie sich im Umkehrschluss davon distanzieren.

Je länger ich dort weg bin, je mehr ich aus der Ferne noch mit bekomme, nur noch am Rande, um so mehr bin ich davon überzeugt, dass sich alles genau richtig gefügt hat und noch fügen wird. Ich muss mich jetzt wirklich mal an die hiesige Leitlinie setzen. *Auf Agenda oben hin setzt.*
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Das Schmuddelkind & die Liebe

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Ich bin ja nun schon einmal froh, dass man als Psychopath durch das Prinzip der "furchtlosen Dominanz" etwas aus der Schmuddelecke herauskommt, die einem sonst immer den Nimbus eines latenten Massenmörders anhängte. Auch wird langsam mal deutlich, dass innerhalb einer psychopathischen Person durchaus diverse innere Unterordnungen existieren können, die sehr wohl empathisch und sozial kompetent sind. Man ist nicht per se behindert, wenn man starke psychopathische Tendenzen oder ganze Persönlichkeitsanteile besitzt, die in dieser Weise funktionieren. Das Wort Psychopath gilt noch immer als Beleidigung und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich, wenn ich das offen legte, alsbald in Schubladen landete, in die ich meiner Ansicht nach keinesfalls hinein gehöre. Besonders im Kontext meiner diversen Tätigkeiten im Alltag war das natürlich diffizil. Und so begann ich irgendwann es zu verstecken und mich nicht mehr zu erklären, weil das ohnehin keinen Zweck mehr hatte, stand das böse P-Wort erst in der Welt.

Raubtiere, Predatoren, Meistermanipulatoren und Puppenspieler ohne Mitgefühl, kurz und zu neudeutsch, Arschlöcher. Damit hatte man sein Etikett - fertig. Ich ziere mich im realen Alltag und Umfeld darüber zu sprechen. Über das, was ich bin. Ein Zwitterwesen, bestehend aus zwei unterschiedlich funktionierenden Persönlichkeitssträngen, verwoben zu einer agierenden Person. Diese Stränge ergänzen sich gegenseitig und geben mir nicht nur die Möglichkeit weitestgehend normal zu wirken, sondern es in großen Teilen auch zu sein. Eine weitgehend normal wirkende Emotionalität, mit der geistigen Klarheit koppeln zu können, die mich Dinge ohne Probleme bis zum Ende durchdenken lassen kann, ohne dass ich mich schäme oder sonst welche Hemmungen oder moralische Bedenken dabei habe. Ich empfinde das im Grunde als Vorteil, nicht als Nachteil. Mein Narzissmus ist nur leidlich ausgeprägt, ich habe dennoch ein starkes Selbst, dem emotionalen Anteil sei Dank. Ich kann Fehler eingestehen, mich entschuldigen, aus Fehlern lernen und habe dennoch das typische, sich selbst als unangreifbar erlebende Selbstbewusstsein, das mit der Psychopathie einher zu gehen pflegt. Im Wesentlichen ist dieses getragen von Schamlosigkeit im Verbund mit Hemmungslosigkeit, großer Angstfreiheit und damit Bewegungsfreiheit im Geiste so wie generell. Und die Dominanz. Ich, das Alphatier, das sich, um zu bekommen was es will, schnurrend auf den Rücken legt und so tut als ob. Denn unterwerfen ist bei mir in der Tat nur drin, wenn ich mich freiwillig hingebe. Aber selbst das kann ich - willentlich. Ich erlebe diese Fähigkeit zur Schwäche als große Stärke.

Sie eröffnet mir eine deutlich weitere Bandbreite und einen wohlwollenden Umgang mit mir selbst. Ich erlebe mich wie eine Art spezielle Maschine, für die es, da sie andersartig ist, keine Gebrauchsanleitungen gibt. Sowas wie Alien-Technologie, da muss man dann halt rumprobieren, was welches Knöpfchen schlussendlich auslöst. In dieser Phase befinde ich mich im Grunde ständig, suche andauernd neue Knöpfe, Hebel und Lichterchen - die ich auch finde. Und dann probiere ich mich aus. Seit ich die innere Abspaltung, die durch den Missbrauch zustande kam, aufgehoben habe, komme ich endlich an alles heran und kann viel freier damit arbeiten. Erforsche was da so alles ist, was hier drin so alles rumwuselt, blinkt, piept und rattert. Und manchmal finde ich mich derartig genial, dass ich mich selbst würde flachlegen wollen.

Solche Momente entschädigen mich dann für die vielen Male, wenn mir meine abseitige Verfasstheit Knüppel zwischen die Beine warf. Kann ein Psychopath lieben? Sich selbst? Andere? Das Leben? Ich kann das durchaus. Auf (m)eine spezifische Art und Weise, die vermutlich lediglich auf etwas anderen Prämissen aufbaut, als sie gemeinhin in diesem Kontext definiert werden. Jetzt könnte man entweder meine Psychopathie infrage stellen oder das Konzept des generell nicht liebesfähigen Psychopathen als solches.

Ich tendiere in diesem Zusammenhang mittlerweile sehr zum Konzept des bewussten Willens. Ich brauche nicht - ich will. Und je mehr ich mich dem geistig zuneige, um so mehr habe ich das Erleben, dass ein bewusster, klarer Wille, einer reinen Emotion tatsächlich überlegen sein könnte.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Mein Kopf ist voll. Voller Gedanken, Pläne, Dinge die zu erledigen und in Angriff zu nehmen wären. Und ich sehe mich, in etwa 10 Jahren, in einer Situation, die völlig anders und doch ähnlich der ist, in der ich mich aktuell befinde. Äußerlich passt mir alles soweit und soll auch so bleiben. Innerlich will ich noch viel weiter gelangen, als ich es derzeitig bin. Einen Bildungsabschluss will ich noch draufsatteln, wenn alles glatt läuft. Ich bin u. a. im Jagdmodus auf einen bestimmten Mann, den ich, ich weiß noch nicht wie (aber dass), mit in diesem Geflecht sehe, das ich hier nun zu erschaffen suche. Ein Schwergewicht von Akademiker, der noch Träume / Visionen hat und auf Freiheit steht. Und ich stehe in gewisser Weise auf ihn. Twitter wird mir helfen (müssen). Schauen wir mal. Noch beobachte ich ihn, ohne dass er bewusst weiß, dass ich existiere. Ein bisschen unschuldiges Stalking, das mir in gewisser Weise Spaß bereitet. Das hier (und damit meine ich nicht nur das Forum, sondern die ORG an sich), muss mindestens noch 1-2 Jahre wachsen, bevor es das Kaliber hat, dass deutlich wird, was es am Ende werden soll. Immer die Ruhe, Mina. Selbst weniger als Weltherrschaft braucht eine Weile. :grin:

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Der Haushalt macht mich fertig, weil ich mich z. Z. kaum rühren kann. Mein Körper hat irgendeine seltsame Art von hormonellem Problem, das für Mörderschmerzen sorgt. Entsprechend unlustig bin ich, was körperliche Betätigung angeht und latent am Anschlag der nervlichen Überreiztheit. Ich muss das wieder überwinden, das ist mir klar. Noch gebe ich mir ein paar Tage mit Wärmflasche und Selbstmitleid. Innerhalb dieser wenig konstruktiven Phase versuche ich wenigstens textlich kreativ zu sein, damit ich nicht dem Empfinden erliege, gänzlich unnütz in der Gegend herum zu hängen. Jage mir die Technobässe durchs Rübchen und texte vor mich hin. Trotzdem muss ich jetzt langsam mal den Hintern erheben und hier tätig werden. Ein Minimum, wider der Verwahrlosung, sollte schon drin sein. Ergo: :peits:

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Mischa »

MinaHarkness hat geschrieben: 5. Aug 2021, 15:29 Selbst weniger als Weltherrschaft braucht eine Weile. :grin:
Wie jetzt? Keine Weltherrschaft? Jetzt bin ich aber enttäuscht. :aetsch:
Leg dich hin du Huhn und kurier dich aus. Sonst komme ich vorbei und packe dich eigenhändig ins Bett. *dasisteineernstzunehmendeDrohung!*

Was sagt eigentlich M. dazu, dass du dauernd rumgeisterst? Der soll mal ein Machtwort sprechen. Kann er doch sonst so gut. :ups:

Liebe Grüßles!
Mischa
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Mischa hat geschrieben: 5. Aug 2021, 19:31 Kann er doch sonst so gut. :ups:
Ja, da warst Du baff, nech? :aetsch: Das hast Du auch mal gebraucht, in Deinem Funktionswahn. Aber mir Vorträge halten. Schönen Gruß soll ich Dir sagen, er kommt die Tage kontrollieren. :grin: Und ich pass schon auf mich auf, nur keine Sorge! Aber, dass Du Weltherrschaftsambitionen schiebst, das ist mir neu. Doch bisschen megalomanisch, was? :lol:

LG Mina
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Über die Bewusstwerdung und Überwindung von Selbsthass

Wenn man psychopathisch ist, dann hat man ein Wesen in sich, das Freude an der Bösartigkeit empfinden kann. Besonders an der eigenen. Es ist nicht so, dass man nicht wüsste, dass das, was man denkt, fühlt und anstrebt, bösartig / gewaltaffin ist. Nein. Man weiß es. Als ich noch gespalten war in mein Alltags-Ich (Frau Seltsam / die Emotionale) und den beherrschenden, aus dem Hintergrund regierenden Anteil (das Dunkel / die Psychopathische), da hatte ich kein bewusstes Selbst. Und selbst "das Dunkel" wurde von "Frau Seltsam" iaR nicht bewusst benannt, bis negiert. Das Dunkel kokettierte mit "dem Bösen", war zutiefst affin, was das Abseitige anging. Und Frau Seltsam fürchtete es, aber so sehr sie es fürchtete, so sehr brauchte sie es. Ich kam nicht mit mir selbst zusammen, war fragmentiert. Es ist noch gar nicht so lange her. Ich versuchte seit sehr langer Zeit die Spaltung aufzuheben. Einerseits. Andererseits fürchtete ich mich davor, weil ich annahm, nur halb bewusst, dass das meine Bösartigkeit komplettieren könnte. Das nichts in mir bleiben würde als kalte Berechnung. Und zuerst sah auch alles danach aus. Das waren die schlimmsten Stunden meines Lebens. Schlimmer als der Missbrauch, schlimmer als alles. Ich trieb hilflos in mir selbst, dissoziiert und verloren.

In der darauf folgenden Zeit fügten sich völlig neue Strukturen in mir zusammen. Entstand "das Konstrukt" in mir. Eine Art Alien-Maschine, die sich selbst optimiert und umbaut. Eine Form der höchstpersönlichen Evolution. Und mittlerweile lernte ich, dass ich darin eingreifen kann und wie. Mir wird offenbar, dass ich Hass, Zorn, Gewaltpotenzial generell, Bösartigkeit generell, in mir besänftigen kann, indem ich aufhöre mich selbst zu verabscheuen. Mir war gar nicht bewusst, dass ich das getan habe. Ich dachte immer, mein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wären über alle Maßen stabil. Bis ich mich in die Beobachterposition begab und mir zuschaute. Eruierte, auf was ich gereizt reagiere, was mich erzürnt, abstößt, was ich verachte und was bei mir regelrechten Vernichtungswillen auslöst. Alles das fand ich in mir selbst vor. Es war das, was ich als meinen "quasi Pferdefuß", als schwach, angreifbar und weich erlebe. Das, was ich nie hatte haben wollen und was mir doch so abgeht. Ich begriff, dass ich mich hasste, dafür, mich selbst zu hassen. Mir selbst gegenüber weder integer noch loyal zu sein, sondern mich, im Gegenteil fortgesetzt selbst zu boykottieren. Mir den Zugang zu einer Partnerschaft zu blockieren, mir so unendlich viel wegzunehmen, um zu verhindern, dass ich schwach würde und damit angreifbar.

Als ich dann einen Partner zu mir ließ, wurde dieser der verstärkende Spiegel, meiner Abscheu für mein eigenes "so Sein". Ein Psychopath, ein Monster. Mir war gar nicht klar, als was ich mich und damit auch ihn angesehen habe (und das zum Teil noch immer tue). Die Schablone des (Selbst)Hasses, mitten in meinem Kopf. Und immer mehr wurde mir klar, dass es nur einen Weg für mich geben kann.

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Die Lösung ist so simpel wie komplex: Die unbedingte Annahme, dessen, was ist. Ohne Wenn und Aber. Die mentale Position meines Selbst. Der ungerührte Betrachter. Und damit die größte Stärke meines Fundamentes, meines Selbst. Diese Drittinstanz, die oft so schildkrötig müde ist, weil sie das alles bereits kennt. Sie kann mir all das beantworten und das tun, was aus mir ein Schmusekätzchen macht; für meine Verhältnisse. Sie kann mich versöhnen. Besonders die beiden Kampfhennen in mir, die entmachtet sind und das noch immer nicht gerne zugeben mögen. In mir regiert das, hinter dem Primärdamm, wo mein Partner so gerne hin will. (Und mittlerweile längst ist.)

"Ich will dorthin, wo bisher nur du bist." .. Ja, ich. Aber es nicht mein Ego. Das ist in den beiden Schwestern impliziert. Worüber wir hier reden, das ist ein innerer Kern. Etwas, was sich bewahrte, die nicht korrumpierte Kernkompetenz meines Wesens. Manche nennen das womöglich Seele. Das Gehirn ist ein komplexes Ding. Es kann sich verändern. Neue Verknüpfungen bilden, andere stilllegen. Der Körper korreliert mit dem Geist. Wer es nicht wenigstens versucht, der ist von vorneherein gescheitert. Zumindest zu schauen, wie weit man überhaupt kommen könnte. Mir kamen all die Jahre Therapie endlich zugute, nach der Aufhebung. Sie flossen in die neue Struktur, die dadurch rasend schnell entstehen konnte. Es gab bereits alle Puzzleteile, sie mussten sich nur zusammenfügen.

Was also ist hinter dem Damm? Und was wird passieren, wenn ich die Alienmaschine in mir immer weiter beackere, im Sinne des Etwas hinter dem Damm? Das keinen Hass kennt, keinen Zorn, keine Liebe, keine Trauer - wie unberührter Schnee? Das nur eines kennt, das reine Dasein. Und das weiß, dass alles genau so ist, wie es sein soll. Auch in mir und mit mir? Dass alles ein Weg ist, der steten Veränderung. Und je unaufgeregter man sich dorthin orientiert, wo es einen hinzieht, um so größer die Chance, dort zu landen, wo man das bestmögliche Ergebnis für sich erzielen kann.

Vielleicht will er deshalb dorthin und den Fuß in den Schnee setzen. Dort gibt es keinerlei Urteil. Dort werde ich ihn nehmen, wie er ist, absolut. Die unbedingte Annahme, dessen was (jetzt) ist. Das kann man Liebe nennen, muss man aber nicht. Jedoch tendiere ich dazu, es zu tun.

Was ist überhaupt Liebesfähigkeit?

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Habe Mut. Es gibt weder Drachen, noch Speere, noch glühende Kohlen. Du hast zu viel Fantasie. Ich schaue mich um. Wieder meine alte Freundin und größte Waffe, die Visualisierung. Sie ist wie Nebel. Innenweltnebel, der Geist meiner eigenen Ewigkeit. Sie sieht aus wie ich. Sie ist nackt und sie trägt bereits das Tattoo, auf das ich so sehnsüchtig warte. Mit einer weit ausholenden Handbewegung teilt sie den Damm, der sich endlos in den Himmel schraubt. Der Riss ich groß genug. Tritt ein..

Hinter dem Damm liegt eine endlose weiße Fläche. Unberührt. Es ist eiskalt, der Atem kondensiert in großen Wolken. Ich stehe als nackte Variante neben mit. Friere nicht und lächle. Willkommen Zuhause. Ich lasse den Blick schweifen. Hinter mir der gefrorene Wall, der keinen Anfang und kein Ende kennt. Vor mir reines, dunstiges Weiß, ebenfalls endlos. Ich schaue meinen nackten Zwilling fragend an. Die nickt und meint: Verstehst du nicht? Das ist alles. Unschuld. Unschuldiger, unberührter Raum. Der Raum um etwas zu erschaffen, etwas Neues. Das letzte unbesetzte Land in dir. Hier regiere ich. Ich bin du, wie du immer gedacht warst und wie du dich selber denkst.

Ich habe mich also selbst noch gar nicht gedacht? Nur das Tattoo, das will ich, das weiß ich. Und sonst weiß ich nichts über mich? Sie lächelt. Es sieht ganz so aus.

..

Einschub:

Psst.. das Tattoo ist ein Herzenswunsch. Das ist das Geheimnis.

..

Fang an:

Wirk|lich:sam ich selbst sein können. Done.
Den Raum dafür erschließen. Done.
Zurück zum Anfang, wo alles noch ist, wie es gedacht war. Ursprünglich. Done.

Den Raum füllen? Ja. Mit Herzenswünschen? Ja.

Und dann?

Willkommen Marina, dort wo du hingehörst und bist, wer du sein willst.

So einfach? Einfach so?

Die einfachsten Dinge sind oft die Schwierigsten.

Was passiert mit dem Damm?

Hier ist der Schlüssel. Es gibt eine Tür.

Na danke. Schön, dass ich das auch mal erfahre.

Aber bitte. Gerne.

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Das Selbst ist also eine Art innerer Raum, wenn ich das richtig verstanden habe. Einer, der von meiner (gestörten) Persönlichkeit unabhängig existiert. Unschuld. Oh Jesus, alleine das Wort macht was mit mir. Da steckt so viel Verletzungspotential drin, das macht mich ganz knurrig innerlich, besonders wenn es sich auf mich selbst bezieht. Auch der Umstand, dass mir mein visualisiertes, ungestörtes / unverstörtes Ich einen ganzen Raum davon offeriert. Unschuld ist für mich Reinheit. Wer wäre besudelter als ich? Unberührter Schnee, rein, weiß - hinter dem größten Abwehrwall, der in mir existiert. Ohne Spuren, spurlos verschwunden aus meiner Wahrnehmung, für so lange Zeit. Ich habe mich vor mir selbst in Sicherheit gebracht, zumindest diesen Teil von mir. Das liest sich echt schräg. Jedenfalls ist da drin Ruhe. Das verstehe ich jetzt. Dort hinein gelangte nichts. Es ist auch fraglich, was passieren wird, wenn ich beginnen werde damit zu arbeiten?

Ist dieser Raum verstörbar? Ist er zerstörbar? Meine Persönlichkeit ist nicht gesund. Werde ich das nun, einem Virus gleich, in dieses Selbst hineintragen? Oder wird dieses Selbst mich weniger krank sein lassen? Bin ich überhaupt noch krank? Oder einfach nur anders? Anders als was? Ich meine, wenn ich mich so umschaue, dann hat doch grundsätzlich jeder seinen höchstpersönlichen Sprung in der Schüssel. Mal ganz von den vielen verschiedenen Schüsselformen und deren Musterungen abgesehen. Ich habe halt diese Schüssel im Giger-Style mit jeder Menge Macken und Sprüngen. Aber sie hält noch dicht und funktioniert. Das Müsli kann man sich daraus verabreichen, sogar mit reichlich Milch. Ich haue meist noch frische Banane, Walnüsse, Zimt und Honig mit rein.

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Ich glaube, das eigentliche Problem, das jemand wie ich mit der Selbstannahme hat, ist das Wissen, dass ich eben nicht edel und gut bin. Ich kann mir das nicht einmal einreden, weil ich mich damit gar nicht wohl, geschweige denn sicher fühlen würde. Wäre ich ein wahrhaft edler und guter Mensch, ich wäre sowas von geliefert. Dazu muss man sich nur mal wachen Auges umsehen. Und die Menschen, die am lautesten proklamieren, dass sie edel, gut, moralisch und ach so integer wären, das sind iaR die, um die man besser einen weiten Bogen macht, sind einem die eigenen Nerven lieb. Dann kommt noch hinzu, was über Persönlichkeitsstörungen so im Umlauf ist. Man übernimmt das, wie Umweltgift, das sich nach und nach in einem anreichert. Unmerklich. Und wenn man nicht andauernd aktive Entgiftung betreibt, dann hält man sich irgendwann selbst für ein prädestiniertes / determiniertes A*schloch. Man wird zu einer wandelnden Diagnose. Nicht nur in der Wahrnehmung der Umwelt, das ginge ja noch. Sondern in der eigenen Wahrnehmung. Und dort beginnt der Selbsthass dann noch ausufernder zu blühen.

Wenn ich dann teilweise diesen hanebüchenen Schwachsinn lese, den irgendwelche selbsternannten Experten (meist irgendwelche Exen deren Beziehungen scheiterten, aber mitunter tatsächlich auch Personen, von denen man, aufgrund ihrer Bildung, deutlich Differenziertes erwarten sollte) publizieren / ins Internet ergießen, dann stellen sich mir die Nackenhaare. Natürlich stellt sich kein Psychopath hin und spricht von Selbsthass. Den nimmt er gar nicht wahr, weil er genau das vermeiden will. (Hinzu kommt, dass jeder Psychopath grandios narzisstisch ist. Erzähle man einem grandiosen Narzissten, er hasse sich selbst, was paraphrasiert sowas wie "arme Wurst" bedeutet und man kann den Narzissten so gründlich am Arsch lecken, das hält für alle Ewigkeit.) Darum geht es schließlich im Wesentlichen.

Jemand mit solch gearteter Persönlichkeit(sstörung) bekommt halt zwischendurch mal einen Wutanfall, betrinkt sich, nimmt ein paar illegale Drogen, gönnt sich eine SM-Session mit dem Partner, rast über die Autobahn, initiiert eine nette kleine Intrige mit irgendwem, ist schlicht ätzend zu seinen Mitmenschen u. ä. m. - fertig. Er kanalisiert. Und er fragt sich nicht, was er da kanalisiert. Das, ihr Knallchargen, ist doch das Wesen einer gestörten Persönlichkeit. Kompensation, weil etwas (das Gestörte) Schieflagen erzeugt, die instinktiv aufgefangen werden. Und dann lese ich, ein Psychopath wäre immer mit sich selbst zufrieden, selbstgerecht, stünde quasi über den Dingen. Einen der besten Sätze fand ich auf einem Börsenportal. Dort stand sinngemäß: Der normale Broker erschießt sich, verursacht er einen unüberschaubaren Schaden, der Psychopath geht nach Hause und schläft sich erst mal gründlich aus.

Wer zur Hölle verfasst so einen Unfug? Was ist ein Psychopath? Der Gott der Gelassenheit, dem es den Kick gibt, alles in Schutt und Asche zu legen und der erst dann gut schlafen kann? Einerseits wird dämonisiert und gleichzeitig ikonisiert, eine fatale Kombination, hinter der das Eigentliche völlig verschwindet. Da könnte man auf die Idee kommen, es wäre ein Vergnügen, wäre man ebenfalls derartig gestört. Welche extremen Einbußen an Lebensqualität daraus entstehen, das verbleibt im Hintergrund. Logisch, es geht doch genau um die Vermeidung bestimmter Zustände, die automatisch auftreten würden, würde das Spüren der inneren Schieflage zugelassen. Das jedoch verhindert die Konstitution des Betreffenden, die auf Vermeidung und Kanalisation programmiert ist. Und jemandem, der sehr genau wahrnimmt, wie er seiner Umwelt und deren Leiden überlegen ist, weil er nicht leidet und fühlt, wie diese fühlt und (von seiner Warte aus) an diesem Fühlen leidet, eben dieses Fühlen schmackhaft machen zu wollen, ist ein Irrwitz in sich. Warum sollte jemand freiwillig leiden wollen? Also bleibt es, wie es ist.

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Es hat lange gebraucht, bis ich endlich erfassen konnte (im reinen Sinne von Fassen), dass "das Bösartige" in mir reiner Selbsthass ist. Ich würde rückblickend behaupten, dass das eine der größten Kröten war, die es zu schlucken galt. Und deshalb war sie auch eine der letzten, auf meinem bisher so langen Weg. Ich musste erst ein Selbst in mir erkennen / spüren / fassen / annehmen können, etwas, das unabhängig von meinem Ego existiert, um diesen gedanklichen Schritt zu vollziehen. Aus diesem Schritt ergaben sich so unendlich viele, einer inneren Logik folgende Erklärungen und Antworten, das lief wie ein Film in der Rückblende ab. Ich rekontextualisierte (m)ein ganzes Leben.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Mischa »

MinaHarkness hat geschrieben: 5. Aug 2021, 20:45.....
Schönen Gruß soll ich Dir sagen, er kommt die Tage kontrollieren. :grin: Und ich pass schon auf mich auf, nur keine Sorge! Aber, dass Du Weltherrschaftsambitionen schiebst, das ist mir neu. Doch bisschen megalomanisch, was? :lol:

LG Mina
Er muss nicht kontrollieren. Er war äußerst eindrücklich. Ich kam mir vor wie ein Schulmädchen. :ups: Sag' ihm, ich bin folgsam. Die Tabletten helfen tatsächlich. Vielen Dank dafür! Wir sehen uns dann kommende Woche. :hdl:

Und das mit dem Größenwahn diskutieren wir noch! :lol:
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Ich beobachte diesen Mann nun seit einigen Monaten. Bin durch einen Zufall über ihn gestolpert und war sofort fasziniert. Gut, optisch auch eine Granate. Einer der Männer, die in jungem Alter recht bübchenhaft wirkten und mit den Jahren zu herben, maskulinen Schönheiten mutieren. Dieses Exemplar geht auf die 50 zu und ist sehr wow. In 10 Jahren wird er umwerfend sein. Der Angebetete witzelte bereits, dass ich mir das mit seiner Nachfolge ja dann noch einmal überlegen könne, würde dieser Mann mir einen Antrag machen. Bislang stehe ich auf dem Standpunkt, dass nach meinem Gebieter nichts mehr kommen wird. Und ich sehe auch keine Veranlassung das in Zweifel zu ziehen.

Was genau es ist, das mich an diesem Mann so sehr fasziniert, das kann ich nicht einmal konkret sagen. Ich ahne es nur. Und ich bin in Teilen regelrecht ein bisschen shocked von mir. Ich hätte niemals gedacht, dass die Attribute, die ich an diesem Menschen faszinierend finde, mich auch nur im Entferntesten ansprechen könnten. Aber sie tun es. Dieser Mann hat tatsächlich eine gewisse Tollpatschigkeit beim Laufen an sich, weil er offensichtlich leichte O-Beine hat. Ich finde das bezaubernd. Jedenfalls im Kontext damit, dass er ein totaler Macher ist, sich in Siegerpose ablichten lässt, Teils im Habitus eines Armani-Models, Vorträge hält, überhäuft ist mit akademischen Dekorationen, einen Lehrstuhl sein Eigen nennt, sich politisch engagiert und so etwas wie einen (ein wenig standesdünkeligen) Vollblutakademiker und wohl auch eine Respektsperson darstellt. (Für mich nicht. Ich finde ihn knuddelig. Das ist tatschlich das korrekte Wort. Ich könnte ihn knuddeln.) :ups:

Und dabei sieht er aus, wie der nette Lausbub von nebenan und läuft auch so. :grin: Er hat ein Lächeln, das ihn aussehen lässt, wie einen Pennäler, und wirkt (und ich glaube, das fasziniert mich definitiv am meisten) absolut heil, ganz und kerngesund. Seine Begeisterung hat etwas Naives, nicht Korrumpiertes, Unbelecktes. Dieser Mensch, obwohl fast 50, scheint so wenig verzweifelt an der Welt, so voller Zuversicht, großer Pläne und Zutrauen in sich selbst zu sein, das wirkt auf mich, wie ein Honigtopf auf eine Bärin. Eigentlich hätte ich es gerne, dass er mir etwas von sich abgibt. Mir sein Geheimnis verrät, das dafür sorgt, dass er zwar ellenlang über die Korruption im wissenschaftlichen Betrieb referieren kann, sich jedoch davon in keiner Weise beeindruckt zeigt.

Er ist nicht naiv und ist es dennoch. Nicht im Sinne von nicht Wissen, sondern im Sinne von einer völlig stoischen Haltung, im Angesicht des Übels. Diese Dinge scheinen regelrecht an ihm ab zu perlen. Auf manchen Fotos sieht er müde aus. Was mich nicht wundert, bei dem Pensum, das er offensichtlich abreißt. Aber im Wesentlichen scheint dieser Mensch eine Vision zu haben, die eine ungeheure Triebkraft in ihm darstellt. Er wirkt absolut lebendig. Ich glaube das ist das eigentlich Faszinierende für mich. Ich vermute stark, so bekloppt das klingt, aber ich hätte ihn gerne als Freund. Also als Freund, ohne Plus. Einfach so, jemand, der mir seine Sicht der Dinge zeigt und mich ein bisschen teilhaben lässt. Ich hätte den gerne mit in (m)einem Boot.

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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Okay..
zuerst ein bisschen 80ies:

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..
Und dann, Kategorie Mundraub beim Liebsten.

Setting: Ich feiere über die Vorstellung ab, dass Mischa meinen "Segers-Fetisch" (da: böses spottendes Mischa) ins Ranking gibt. Der Angebetete meint daraufhin trocken, dass besagter Segers sAn einen Ödipuskomplex haben müsse. Ich verteidige "meinen Segers" und proklamiere, dass er ein netter Kerl wäre; wirklich sympathisch. Woraufhin der Angebetete das Folgende zum Besten gibt:

>> Der ist doch bei den Grünen? Das ist kein netter Kerl. Die Grünen sind das Böse. Die wollen, dass du noch ein kleines Windrad auf deiner Herdplatte baust. <<


Gut, dass wir das geklärt haben. :joint:

Liebster Angebeteter: Ich schwöre, ich habe keinen Gott neben Dir! Großes Ehrenwort! :verehr:

..

:holy:
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Mischa »

Och, ich finde das Bürschli auch ganz nett, so ist es ja nicht. Er wirkt nur arg verträumt auf mich. Aber ich bin auch alt und verbiestert. :hea:
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

..

Wenn es einen Song gibt, der mich ausdrückt, bevor ich mich einem anderen Menschen eröffnete, dann diesen:



..
Und dann entdeckte ich:

- Dass Nähe zulassen, nichts weiter bedeutet, als sich selbst (darin) aushalten zu können.
- Sich selbst bis ins letzte Ende zu reflektieren, um den Zugang zuzulassen und sich selbst (und das Gegenüber) dort in Empfang zu nehmen.
- Dass das Wissen, darum, jemandem den Schlüssel zum eigenen tiefsten Innen zu übergeben, einen nicht schwach, sondern um so vieles stärker werden lässt.

Denn in diesem Akt des vollkommenen Vertrauens, liegt die unbedingte Annahme des eigenen Selbst. Und dieses Selbst, es ist die gewaltvollste und gezielteste Triebkraft im eigenen Inneren. Nichts vermag so sehr für sich einzustehen. Nichts sonst ist in der Lage, derartige (Widerstands)Kräfte zu mobilisieren. Nichts sonst, als die eigene, unbedingte innere Nähe, Annahme und Einsicht, verhilft einem zu mehr Eigenverantwortlichkeit und Eigenmacht.

Sich völlig zu verschenken (verschenken zu können), impliziert, dass das, was man verschenkt, einem selbst vollständig gehört.

Man sagt Menschen wie mir nach, dass wir nicht wüssten, was Liebe ist. Heute sage ich denen, die mir das nachsagen, dass sie selbst es nicht wissen.

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Liebe ist Wille. Unbedingter, vollkommen bewusster, unbeugsamer, von Sehnsucht beflügelter, zielgerichteter Wille. Ich will wollen.

Wollen heißt leben(dig sein) und Bereitwilligkeit bringt Frieden.


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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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Über den langen Weg zurück. Fragment.

Rückblickend..



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Ich gehe diesen Weg seit über drei Jahrzehnten. Seit damals, als ich zerbrochen wurde, in sadistischen Sessions ritualisierten Kindesmissbrauchs. Meine Anverwandten sind tot; was aus den Anderen wurde, das weiß ich nicht. Es waren viele, das weiß ich. Es war ein schrecklicher Skandal. Nicht einmal die Täter leben mehr. Manchmal fühle ich mich wie das letzte besudelte Relikt, einer Zeit, aus der dieses Übel entsprungen ist. Und das, würde es untergehen, endlich diesen ihm impliziten Unrat aus der Geschichte tilgen würde. Lokalpatriotischer Mief im Dunstkreis religiösen Wahnsinns, mit einem Schuss akademischem Überfliegertum. Treppenwitz, dass die Mehrzahl meiner Anverwandten Kleriker waren.

Mina, die Braut Draculas. Die, die überlebt, weil sie in ihrem Entsetzen liebenswert geblieben ist. Irgendwie hat ihre stahlharte Zartheit sie gerettet. Und ihre Liebesfähigkeit und unbeugsamer Wille, der die Bestie so sehr faszinierte, dass sie davon absah ein Ende zu machen. Wundert sich noch jemand über meinen Nick? Wirklich? Und unsere Ahnenlinie mütterlicherseits stammt auch noch aus Siebenbürgen. Wundert sich noch immer wer? Vlad der Pfähler ([Externer Link : bitte anmelden]), ein Psychopath, weil er es sein musste. Eine Bestie der Notwendigkeit. So wie ich. Anders gäbe es kein Überleben. Anders hätte man nicht durch diese Ströme aus Entsetzen, Aggression und Schmerz waten können, die die eigene Realität darstellten; auch wenn sich das niemand vorstellen kann.

Ich war ein Kind. Er auch. Das, was dann dabei heraus kommt, das ist lediglich die Konsequenz. Und alle stehen dann da und machen Uh und Ah .. und man selbst senkt den Kopf, damit sie das bittere Lachen nicht sehen, das davon erzählt, dass man selbst nur die Spitze des Eisberges stellt, dessen im Wasser verborgenes Fundament, sie alle, in ihrer Gesamtheit stellen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft das Dunkel in mir morden wollte. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft es sich wünschte, zu einer Zeit gelebt zu haben, in der es seinen "Bruder im Geiste" hätte ehelichen wollen. Nur um nicht mehr allein zu sein. Einsam bin ich nicht, das sind "solche wie ich" nie, nie wirklich, aber so gottverflucht allein manchmal; ganz tief in mir, wo das lebt, das außer mir kaum jemand zu begreifen vermag. Und selbst ich bin so oft fassungslos.

Ich BIN MinaHarkness (den zweiten Teil "Harkness" erkläre ich dann noch im nächsten Post). Ein großer Teil von mir IST sie. Tatsächlich. Und sie schreibt aktuell auch an ihrer Biographie, denn sie hat eine.

Nichtsdestotrotz, befindet Mina sich auf "dem Weg zurück", aus all dem Dunkel, in dem sie sich so lange verlaufen hatte. Und ich, nun ja, ich, ICH, Mina, Marina.. ich halt.. ich werde das hier nun ein wenig zusammen zu fassen versuchen. Eingestreut in das aktuelle Geschehen und Gedankensalatgrün, was ich hier idR sonst noch so lasse. Rückblenden, Einblenden und dazu Kommentare und Erklärungen, so wie die dort oben.

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Hunger

Er frisst mich auf. Unmerklich, schleichend, dieses Uralte in mir, dieses Relikt einer Zeit, als es mich noch zur Gänze gab. Dieser unerfüllbare Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu können. Mich verschenken zu können, mit allem was mich ausmacht. Meine Seele zu Füßen legen zu können, unschuldig und rückhaltlos. Als ich ganz war. Ganz ich, mit all diesem Potenzial, das in gewissem Sinne noch immer in mir ist. Doch ich liege innerlich nur noch zu Füßen meiner Zerstörung. Dem Bewusstsein, dass ich nichts bin als ein Scherbenhaufen, der notdürftig überlebt hat. Der nicht mehr würdig ist, dessen, was mich zerschlug, in letzter Endkonsequenz, weil ich es zu schützen suchte - tief in mir. Und dort existiert es noch immer. Flüsternd, verbannt, als Utopie erkannt und gebrandmarkt.

Ich bin längst nicht mehr zornig. Zorn ist heiß. Ich bin erkaltet, wie ein ausgebrannter Vulkan. Nur noch erstarrte Lava, die Asche eines Wesens, das so gerne brennen will. Ich bin zu alt, zu kalt, zu kaputt. Ich bin nichts. Nichts von dem, was in einen Himmel gehört, aus dem es mich herauskatapultierte, als sich mein Wesen spaltete, Hieb für Hieb, Session für Session. Als ich benutzt wurde und funktionierte. So gut funktionierte, dass ich zum Star meiner Peiniger avancierte. Darin war ich tatsächlich gut. Etwas in mir wird mir das niemals mehr verzeihen. Und doch bleibt dieser Hunger. Diese Sehnsucht, die ich nie wieder werde stillen können. Nicht wirklich.

Wie soll man sich in der Hölle einrichten, kennt man den Himmel?

Das ist es, was ich tagtäglich tue. Und Du erinnerst mich daran. So intensiv, so schmerzlich, wie ich selbst es nie für möglich gehalten hätte. Ich müsste Dich unverzüglich und komplett aus meinem Leben entfernen. Aber ich will nicht von Dir lassen. Shame on me!

Mir ist unendlich kalt. Und jetzt spüre ich es. Spüre die Kälte, überdeutlich, nach all dieser Zeit.

Rettungslos.

Die Rechnung wird fällig.

Demut.

Ich habe sie verdient.

Dankbarkeit.

Gnade.

Ich bin was ich bin.

Akzeptanz.

Annahme.

Die Brücke über meinem Abgrund.

Auf der ich tanze.

Nicht allein.

Das ist viel.

Genügsamkeit.

Nicht das Gleichgewicht verlieren.

Es gibt niemanden mehr, der mich halten könnte.

Nur mich.

Vergiss es nicht, niemals, Chimäre.

..

Auch das ist eine Weile her. Mittlerweile ist Betreffender aus meinem Leben verschwunden. Er, seine Anwesenheit in meinem Leben, ging vorüber. So wie ich es nicht anders kenne: KLICK! Und vielleicht ist das besser so. Oder er wird mich hier wiederfinden - irgendwann, wenn die Zeit reif ist. Das Leben ist ein Weg..

.. nur ein Weg. Und doch ist dieser Weg alles was zählt.

..
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Anders_son
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Anders_son »

Ich mag ja Fledermäuse und Wölfe. Durchaus auch Hexen. Natürlich nur, wenn sie
mir freundlich gesinnt sind. Vielleicht ist die Flucht ins Mystische auch ein Gefühl
in etwas zurück, was nicht dieser kranken Zivilisation entspricht. Etwas was
mit Phantasie und Natur zu tun hat. Durchaus auch etwas Reines, selbst wenn
es mit Tod und Blut zu tun hat.
Andere Menschen haben Angst, dass wieder Wölfe frei herumlaufen. Und ich
bin natürlich auch nicht angstfrei. Aber vielleicht würde ich mich zu wehren
wissen. Ich mag das Gefühl, dass Wölfe wieder unter uns sind. Und ich habe
da mehr Angst um die Wölfe, als um die Menschen.
Ich kann Menschen da auch nicht verstehen. Erst rufen sie den Wolf zurück,
man ist ja schließlich so gut, und dann geht man wieder auf ihn auf die Jagd,
weil er eine Gefahr sein könnte. Der Wolf ist eben unheimlich, das Auto,
was ein Kind überfährt nicht.
Auch der Vampir erfindet sich immer wieder neu. Darin liegt dann ja auch
etwas Hoffnung, wie ich finde.

Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht vollgetextet. :hi:
„Um Böses zu tun, muss ein Mensch zuallererst glauben, dass das, was er tut, gut ist.“
Alexander Solschenizyn

zitiert von Anders_son (ehemals Oxymon)
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

..
Oxymon hat geschrieben: 14. Aug 2021, 16:41 Ich mag ja Fledermäuse und Wölfe. Durchaus auch Hexen. Natürlich nur, wenn sie
mir freundlich gesinnt sind. Vielleicht ist die Flucht ins Mystische auch ein Gefühl
in etwas zurück, was nicht dieser kranken Zivilisation entspricht. Etwas was
mit Phantasie und Natur zu tun hat. Durchaus auch etwas Reines,
selbst wenn
es mit Tod und Blut zu tun hat.
Ich fühle mich gerade sehr "erkannt". Es ist eine Art Sehnsucht. Eine, aus (m)einer heutigen Zeit auszusteigen und abzutauchen in etwas, in dem ich "irgendwie normal" bin, irgendwie "beheimatet". Ich glaube, das ist seit all diesen Jahren das mich bestimmende Grundgefühl, ich fühle mich heimatlos, seit ich die Heimat in mir selbst verloren habe. Seit ich vertrieben wurde, aus (m)einem Paradies in mir. Und seitdem stromere ich herum und suche diese Heimat. Und weil ich bin, wie und was ich bin, suche ich sie dort, wo ich mich selbst verorte.

Vlad wird auch längst nicht unisono als der schreckliche Schlächter beschrieben, zu dem ihn die Geschichtsschreiber des Westens stilisierten. Glaubt man seinen Landsleuten und deren Überlieferungen, gab es längst nicht so viel Leid und Tod, das von ihm ausging. In deren Geschichten waren es nicht viel mehr als "nur" ein paar Pfählungen, abgeschnittene Nasen und auf den Köpfen ihrer Träger festgenagelte Hüte. Irgendwie finde ich die letztere Idee witzig. Bin ich jetzt pervers? Klar bin ich das. Was solls. Das ist nichts Neues. :ups:

Danke für Dein Feedback (das Wolfsthema verdient einen eigenen Thread)!

LG Mina
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Anders_son »

Also in der jüngeren Geschichte wurde Dracula oder Vlad filmtechnisch ja auch
anderes dargestellt. Da stand für mich der Horror gar nicht so im Vordergrund,
sondern es waren ja Liebesgeschichten.

Etwas wie die Schöne und das Biest, wo ich besonders den alten Schwarz-Weiß-Film
sehr gerne mag. Es ist ein Gefühl der Liebe, die abgetrennt von der Menschheit
stattfindet. In meinen Augen. Und die auch zeitlos ist.

Wobei Bela Lugosi und die Stoff-Fledermaus an den Fäden hat ja schon fast
den Charakter einer Marionettentheaters.

Das Probleme bei Vampiren ist einfach, dass sie der vegetarischen und veganen
Genusswelt eher skeptisch gegenüber stehen. Und der Grilltyp sind sie nun
gerade auch nicht. :irons: Und für den Menschen ist es einfach unvorstellbar
selber mal auf der Speisekarte zu stehen.
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Alexander Solschenizyn

zitiert von Anders_son (ehemals Oxymon)
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Re: Was vom Tage übrig bleibt..

Beitrag von Marina »

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In mir arbeitet diese Sache mit Nietzsches Sprache weiter. Dass er so meisterlich damit umzugehen wusste, ist sicherlich auch seiner Passion als Philologe geschuldet. Wobei er ein grundsätzliches Talent dafür besaß, eine musische Ader, aus der diese Neigung erst erwuchs. in diesem Punkt darf die Frage nach Ei oder Henne wohl als geklärt angesehen werden. Anders verhält es sich mit mir und dem, was aktuell mit mir passiert. Ich habe Nietzsche seit ungefähr zehn Jahren nicht bewusst gelesen. Er war regelrecht aus meinem Fokus verschwunden. Ich erinnere mich, dass ich seine Rhetorik schon immer als sehr besonders und extrem "eingängig / eindringlich" empfand. Aber, dass sie derartig eindringlich auf mich wirkt, wie sie das aktuell tut, daran vermag ich mich nicht zu entsinnen. Ich verliebe mich regelrecht in diese Art Dinge zu benennen. Das ist ein wirklich abgefahrenes.. Gefühl.

Ich grabe mich in diese Zeilen, bzw. graben sie sich in mich und sie scheinen einen Art Generalschlüssel zu besitzen, zu etwas in meinem tiefsten Innen, das damit in Resonanz tritt. Nun frage ich mich, woran das liegt und ahne, ich habe mich verändert. Bin wesentlich gefühlvoller und zugänglicher geworden, in diesen letzten ca. 10 Jahren. Das ist faszinierend. Ausgerechnet Nietzsche. Mal schauen was Kant mit mir tun wird und Rilke. Auch diese habe ich (noch) länger nicht mehr bewusst in geballter Ladung gelesen. So werden diese "alten Geister" zu Gradmessern meiner Gesundung. Das Leben hat Humor.

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Okay: Harkness - eine Mischung aus Harker und Darkness. Und der Nachname von Captain Jack Harkness. Einem mysteriösen, pansexuellen, unsterblichen (und ziemlich psychopathischen) Zeitreisenden, den ich sehr sexy finde. In seiner Gesamtheit als Charakter und optische Umsetzung. Kurz, den hätte ich geehelicht und trage virtuell nun seinen Namen.

---> Torchwood: [Externer Link : bitte anmelden]

Das war es schon.

:fee:

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